Wachsende Nachfrage
Gute Aussichten für Junk-Bonds

Das Interesse der Anleger an Junk-Bonds lässt nicht nach. Gerade Anleger aus dem Niedrigzinsumfeld dürften für anhaltende Nachfrage sorgen. Grund dafür ist eine besonders niedrige Ausfallquote.
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Frankfurt Der Markt für hochverzinsliche Unternehmensanleihen boomt. Im ersten Quartal haben Firmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität zubilligen, auf Euro lautende sogenannte Junk-Bonds in Höhe von 13,5 Milliarden Euro platziert – ein Rekord. Seither begaben unter anderen der griechische Telekomkonzern Ote und der deutsche Gabelstaplerhersteller Kion neue Junk-Bonds. Firmen wie der Mobilfunkanbieter Freenet, das Entsorgungsunternehmen Alba Group und der Messtechnikspezialist Elster vermarkten neue Hochzinsbonds.

Damit begründet sich ein positiver Kreislauf: Je leichter und günstiger die Unternehmen an Anschlussfinanzierungen kommen, desto stärker sinkt die Ausfallwahrscheinlichkeit. Gleichzeitig haben die Firmen ihre Verschuldung in den vergangenen Jahren abgebaut. Und Anzeichen dafür, dass der Appetit der Investoren auf die Junk-Bonds nachlässt, gibt es derzeit nicht, weil Anleger im Niedrigzinsumfeld nach höher verzinsten Anlagen suchen.

Dazu gibt es viele Stimmen zu den fundamental positiven Aussichten der Unternehmen, auch wenn die Kurse der Junk-Bonds deutlich gestiegen und im Gegenzug ihre Renditen und Risikoprämien gesunken sind. Im Schnitt bieten Euro-Papiere laut Bank of America Merrill Lynch eine Rendite von 7,9 Prozent, was einem Risikoaufschlag von 4,9 Prozentpunkten zu Bundesanleihen entspricht. „Dabei hat sich das Umfeld stark verbessert, viele Unternehmen erwirtschaften höhere Cash-Flows, und der positive Konjunkturzyklus ist intakt“, sagt Walter Schepers von WestLB Mellon Asset Management.

Sinkende Ausfallraten

„Die meisten Unternehmen aus dem Hochzinsbereich haben gute Bilanzen vorgelegt, und die Ausfallrate dürfte weiter sinken“, betont auch Andrew Jessop, Fondsmanager bei Pimco. Laut Ratingagentur Moody’s konnten 2010 weltweit 2,4 Prozent aller Junk-Bond-Schuldner ihre Anleihen nicht bedienen, bis Ende des Jahres dürfte die Ausfallquote auf 1,5 Prozent sinken.

Dazu kommt, dass es für Anleihebesitzer nicht so wichtig ist, dass Unternehmen ihre Gewinne deutlich steigern. Der Grund: Für Bondbesitzer kommt es darauf an, dass genug Geld für die Schuldentilgung da ist. Gefahr droht deshalb laut Experten derzeit erst bei einer Rezession. Für die Papiere spricht auch, dass sie sich recht unabhängig von Staatsanleihen entwickeln. Wenn die Renditen von Bundesanleihen steigen, dürfte dies die Renditen von Hochzinsanleihen nur leicht nach oben ziehen, sagt Schepers.

WestLB Mellon Asset Management erwartet, dass Anleger mit Hochzinsanleihen in diesem Jahr Erträge von acht bis neun Prozent erwirtschaften, wobei die Volatilität der Kurse recht hoch sein dürfte. Die britische Fondsgesellschaft Aviva Investors prognostiziert sieben bis acht Prozent, die niederländische ING Investment Management sieben bis neun Prozent.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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