Warnschuss: Britische Rating-Bestnote bedroht

Warnschuss
Britische Rating-Bestnote bedroht

Großbritanniens Dreifach-A-Bewertung wackelt bedrohlich. Die Ratingagentur Moody’s sieht enorme Herausforderungen auf die Insel zukommen. Noch schlimmer steht es um Frankreichs Top-Bonität.

London/ParisDie internationale Ratingagentur Moody’s hat die britische Regierung gewarnt, dass die Bonitätsbestnote „AAA“ des Königreichs zunehmend in Gefahr gerät. Die Bemühungen der Regierung um einen ausgeglichenen Haushalt könnten durch weitere Schocks für die Wirtschaft untergraben werden, erklärte Moody's am Dienstag.

Die Insel stehe vor „enormen und weiter wachsenden Herausforderungen“, heißt es in dem jährlichen Bericht über Großbritannien, den Moody’s gestern Abend veröffentlicht hat. Das deutlich höhere Budgetdefizit, die schwächeren Wachstumsaussichten, und die Risiken aus der eskalierenden Schuldenkrise der Eurozone ließen nur eine Schlussfolgerung zu: „Großbritanniens Fähigkeit, weitere makroökonomische oder fiskalische Schocks abzufedern, ohne dass das Rating in Gefahr gerät, hat gelitten“, warnen die Moody’s Analysten.

Der gegenwärtige stabile Ausblick für Großbritannien basiere auf der Annahme, dass die Regierung in London ihre Politik zur Haushaltskonsolidierung fortsetze, heißt es im Bericht. Der Handlungsspielraum für Großbritannien sei geringer geworden, sagte Moody's-Analystin Sarah Carlson.
Die Insel wurde durch die Finanzkrise in die tiefste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg gestürzt, und die Bank of England befürchtet, dass der fragilen Konjunkturerholung der Atem ausgeht und die Wirtschaft im kommenden Jahr erneut schrumpfen wird. Deshalb hat die Notenbank im Herbst noch einmal die Gelddruckmaschine angeworfen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für Großbritannien in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von nur 1,1 Prozent voraus, das Budgetdefizit wird voraussichtlich bei 8,5 Prozzent liegen und der gesamte Schuldenberg dürfte auf knapp 81 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung wachsen.
Vor Moody’s hat auch bereits die Ratingagentur Fitch gewarnt, dass Großbritannien keinen weiteren Rückschlag verkraften könne, ohne das „AAA“-Rating zu gefährden. Anders als bei zahlreichen Euroländern ist die Bonitätsbestnote der Britten allerdings noch nicht unmittelbar bedroht. Moody’s hat den Ausblick für das Rating des Königreichs trotz der deutlichen Warnung stabil gehalten. Dagegen hat Fitch die Einstufungen für gleich sechs Euro-Staaten Ende vergangener Woche auf den Prüfstand gestellt. Standard & Poor’s hat die Ratings für fast alle Mitglieder der Währungsunion, darunter auch für Deutschland und Frankreich, auf die Prüfliste für eine Herabstufung gesetzt.

Diese Warnungen sorgten vor allem bei den Franzosen für böses Blut. Vor wenigen Tagen forderte der französische Notenbankpräsident Christian Noyer, dass die Ratingagenturen bei Großbritannien und nicht bei Frankreich mit einer Herabstufung beginnen sollten. Die Briten würden mit einem höheren Defizit, höherer Inflation und schwächerem Wachstum kämpfen als die Franzosen.
Nichtsdestotrotz hat die französische Börsenaufsicht das Top-Rating bereits abgeschrieben. „Nur ein Wunder kann es noch retten, aber ich will daran glauben, dass es passieren kann“, sagte der Chef der Behörde AMF, Jean-Pierre Jouyet, am Dienstag in Paris. Jouyet warnte vor den weitreichenden wirtschaftlichen Folgen einer Herabstufung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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