Warnung von Fitch
Spaniens Rating wackelt bedenklich

Egal ob mit oder ohne Euro-Rettungsschirm: Das BBB-Rating von Spanien stehe auf der Kippe, warnt die Ratingagentur Fitch. Das Damoklesschwert der schwachen Konjunktur schwebe über dem Land.
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LondonDie Bonität Spaniens steht nach Ansicht der Ratingagentur Fitch auch ohne eine Flucht unter den Euro-Rettungsschirm auf der Kippe. Die mangelnde Fähigkeit zum Abbau des Defizits, die hohen Kosten der Rekapitalisierung der Banken und vor allem die schwache Konjunktur seien als Abwärtsrisiken zu werten, teilte die Agentur am Dienstag mit.

"Es ist die Wirtschaft", betonte Fitch-Experte David Riley. Die Aussicht, dass es konjunkturell weiter bergab gehe und sich die Arbeitslosigkeit auf die 30-Prozent-Marke hin bewege, belege, wie schlecht es um das Land bestellt sei. "Das sind die wahren Triebkräfte, selbst wenn es Spanien gelingen sollte, sich am Markt weiter selbst zu refinanzieren."

Fitch bewertet Spaniens Kreditwürdigkeit mit 'BBB' und somit nur zwei Stufen über Ramschniveau. Zugleich ist die Bonität mit einem negativen Ausblick versehen. Die EZB hat hoch verschuldeten Euro-Staaten Stützungskäufe am Sekundärmarkt für Anleihen angeboten, falls sie unter den Rettungsschirm schlüpfen.

Spanien hat diesen Schritt für die Zukunft nicht ausgeschlossen, sieht derzeit aber keine Notwendigkeit dafür. Ministerpräsident Mariano Rajoy kommt bei seiner abwartenden Haltung zugute, dass sich die Lage am Markt nach den Turbulenzen im vorigen Jahr mittlerweile merklich beruhigt hat.

So konnte das Land bei einer Auktion von Geldmarktpapieren am Dienstag zu deutlich günstigerer Konditionen als zuletzt frisches Geld einsammeln. Insgesamt nahm der spanische Staat bei der Emission von zwölf- und 18-Monatspapieren 5,7 Milliarden Euro ein. Für beide Schuldtitel fielen die Renditen jeweils um mehr als einen Prozentpunkt im Vergleich zu den jüngsten vergleichbaren Versteigerungen. Für die Einjahrespapiere sank der Zins auf einen für Spanien relativ erträglichen Wert von unter 1,5 Prozent.

Auch der Appetit der Anleger auf die Papiere stieg: Mit der Zuteilung lag Spanien über dem angestrebten Volumen von 5,5 Prozent. "Das war eine glänzende Auktion", so Ökonom Jo Tomkins von 4Cast. Damit kann Spanien auch mit Optimismus auf die am Donnerstag anstehende Auktion am Kapitalmarkt blicken. Bei der Ausgabe von Papieren mit Laufzeiten bis 2015, 2018 und 2041 will das klamme Land insgesamt 4,5 Milliarden Euro einsammeln.

Viele von Reuters befragte Experten gehen wegen der Beruhigung an den Kapitalmärkten mittlerweile davon aus, dass Spanien dieses Jahr den Rettungsschirm nicht in Anspruch nehmen muss. In einer Umfrage unter 23 Händlern sahen 13 keine Notwendigkeit, dass Spanien den ESM anzapfen muss.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Warnung von Fitch: Spaniens Rating wackelt bedenklich"

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  • Ach was?
    Europa hat die Krise doch längst hinter sich....
    hahahahahahaha

    siehe: http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/fitch-experte-euro-zone-hat-das-groebste-hinter-sich/7638144.html

  • Wir wollen jetzt hoffen dass die Zeit wo Deutschland und Frankreich eine für sie günstige Entscheidung im voraus vereinbarten und erst dann den anderen EU-Mitgliedern einfach zum Unterschreiben diktiert haben, endlich und für immer vorbei ist.
    Dieses Verhalten ist auch der Hauptgrund für die heutige Krise, weil die getroffenen Entscheidungen die schwächere Wirtschaften der EU ungeschützt waren, was zum Kannibalismus innerhalb der EU geführt hat. Daher Leistungsbilanzdefizite, Haushaltsdefizite, Jugendarbeitslosigkeit, Auswanderung und leider auch Selbstmorde in den schwächeren EU-Ländern.

  • Spanien ist pleite, genauso wie Portugal, Griechenland und Irland. Die Italiener und Franzosen stehen auch schon in der Warteschlange.
    Politische Konkursverschleppung und Eurorettung um nahezu jeden Preis - nur wird es trotzdem nichts helfen, wenn man weiter tote Pferde Richtung Untergang reitet.

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