Warnung vor politischen Risiken: Erste Anleihe des Iraks bei Profianlegern gefragt

Warnung vor politischen Risiken
Erste Anleihe des Iraks bei Profianlegern gefragt

Trotz ständig neuer Meldungen über Anschläge und Entführungen im Irak ist der Kurs der ersten Anleihe des Landes gestiegen. Vergangene Woche begab der Irak erstmals eine Anleihe über 2,7 Mrd. Dollar. Sie wird im Jahr 2028 fällig und wurde zunächst mit 62 Prozent des Nennwerts von 100 Prozent gehandelt.

HB FRANKFURT. Binnen weniger Tage schnellte der Kurs jedoch nach oben und pendelt derzeit zwischen 72 und 74 Prozent. „Damit ist die Anleihe bereits sehr gut gelaufen, und es gibt zunächst wenig Potenzial“, sagt Holger Friedrich, Fondsmanager bei Union Investment. Der nominal mit 5,8 Prozent verzinste Bond rentiert aktuell mit 8,6 Prozent.

Der Irak ist seit Anfang der neunziger Jahre zahlungsunfähig. Die Anleihe ist Teil einer Umschuldung und wurde Gläubigern wie Banken und Industrieunternehmen angeboten, die für im Gegenzug auf 80 Prozent ihrer Forderungen verzichteten. Seit der Platzierung wird die Anleihe unter professionellen Investoren im Telefonhandel umgesetzt. Die Mindestanlage liegt bei 250 000 Dollar.

Experten halten den Bond für riskant. „Der Irak lässt sich kaum mit anderen Schuldnern vergleichen“, betont Daniel Beharall, Hedge-Fonds-Manager und Bond-Experte beim britischen Vermögensverwalter Henderson. „Der Irak profitiert zwar vom hohen Ölpreis, ist von dieser Einnahmequelle aber auch extrem abhängig“. Dazu komme die politische Unsicherheit. So lange die USA ihre Truppen im Irak stationiert hätten, sei es wahrscheinlich, dass sie das Land bei neuen Zahlungsschwierigkeiten unterstützten. Was später passiere sei aber ungewiss. Das meint auch Friedrich: „ Im Falle einer Aufspaltung des Irak ist die Zuständigkeit für die Anleihe unklar.“ Den Run auf den Bond erklären Experten mit der Suche nach Rendite. Die Risikoaufschläge von Anleihen aus Schwellenländern sind in dieser Woche auf ein Rekordtief von 2,14 Prozentpunkten gegenüber sicheren US-Bonds gesunken. Die Irak-Anleihe bietet demgegenüber jedoch 4,15 Prozentpunkte mehr Rendite. Höhere Aufschläge gibt es nur noch bei Anleihen aus Ecuador.

Union-Experte Friedrich hat den Irak-Bond nicht gekauft, weil er den Risikoaufschlag derzeit für zu gering hält. Bei einer anderen Fondsgesellschaft heißt es, man halte nichts von dem Papier, wolle sich aber angesichts der politischen Brisanz dazu offiziell nicht äußern. Als ein Problem gilt auch, dass die Ratingagenturen den Irak nicht bewerten.

Hedge-Fonds-Manager Beharall hat sich noch nicht entschieden, ob er in die Irak-Anleihe investiert, meint aber, dass sie Profi-Anleger im Auge behalten sollten, denn: „Sehr wahrscheinlich wird die Emission im März in große Indizes aufgenommen, an denen sich viele professionelle Investoren messen.“ Sie werde dort zwar voraussichtlich nur ein Gewicht von etwa einem Prozent haben, aber angesichts der hohen Rendite mache es für Institutionelle Sinn, ebenfalls ein Prozent des Portfolios in dem Papier zu halten, um nicht schlechter als der Index abzuschneiden.

Friedrich sieht das anders. „Im Vergleich zum Index ist es sinnvoller, andere Schwellenländer-Anleihen überzugewichten, die auch vom hohen Ölpreis profitieren“.cü

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