Weg mit US-Anleihen
Großinvestor verliert Vertrauen in die USA

Inflation ist nach Meinung von US-Notenbankchef Ben Bernanke ein vorübergehendes Problem. Bill Gross, Manager des weltgrößten Anleihefonds, sieht das anders. Und verkauft daher sämtliche US-Staatsanleihen.
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New YorkDer weltgrößte Bondinvestor Pimco verabschiedet sich von US-Staatsanleihen.

Der Total Return Fonds von „Bondkönig“ Bill Gross hat seine Bestände an Schuldverschreibungen der US-Regierung auf Null reduziert und gleichzeitig seine Barquote deutlich erhöht. Gross, einer der geachtesten Experten für festverzinsliche Papiere weltweit hatte zuletzt immer wieder vor den negativen Auswirkungen des riesigen US-Haushaltsdefizit und der heraufziehenden Inflationsgefahren gewarnt. Eine steigende Inflation belastet den Wert von Anleihebeständen. Er ist bei Pimco für die Anlage von insgesamt 1,1 Billionen Dollar an Kundenvermögen verantwortlich.

Der Pimco-Rückzug wird von führenden Ökonomen in Deutschland unterschiedlich bewertet. „Es wurde Zeit, das die US-Kapitalmärkte auch die heimischen Staatsschulden in den Blick nehmen“, sagte Dekabank-Chefökonom Ulrich Kater Handelsblatt Online. Hier zeige sich, dass die USA schlechtere Finanzkennzahlen aufweisen als der Euroraum. „Neben den Problemen in den europäischen Ländern zeigen nun auch die Vorbehalte gegenüber der US-Staatsschuld, dass in den westlichen Ländern eine Zeitenwende in den öffentlichen Haushalten bevorsteht, denn diese müssen über Jahre hinweg konsolidiert werden.“ Für die USA bedeutet dies nach Ansicht Katers, dass auch sie an Einnahmen und Ausgaben herangehen müssten. „Wenn das aufgrund einer politischen Patt-Situation nicht möglich sein sollte nach den nächsten Wahlen, dann ist eine Vertrauenskrise vorstellbar“, warnte er.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, warnte hingegen davor, den Pimco-Rückzug überzubewerten. „Es gibt eine Staatsschuldenkrise im Euroraum, aber nicht in den USA“, sagte Krämer Handelsblatt Online. Zwar litten auch die USA unter hohen Staatsdefiziten. „Aber im Gegensatz zu den Peripherieländen im Euroraum haben sie eine wettbewerbliche, durch Konkurrenz geprägte Volkswirtschaft“, erläuterte der Ökonom. Der US-Arbeitsmarkt sei flexibel und die Bevölkerung wachse. Außerdem hätten die USA eine eigene Zentralbank, die ihre Politik auf die Bedürfnisse des Landes ausrichten könne. „Dagegen ist die Europäische Zentralbank gezwungen, sich am Durchschnitt des Euroraums zu orientieren.“

Der vollständige Abschied von US-Staatsanleihen rückt mit einem Schlag die Schuldenprobleme der weltgrößten Volkswirtschaft ins Rampenlicht. Denn nicht nur im Süden Europas haben Bürger und Regierungen über ihre Verhältnisse gelebt. „Die Lage bei einigen US-Bundesstaaten ist viel prekärer als in der Euro-Zone“, erklärt Mario Mattera, Analyst bei der Metzler Bank.

Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann sieht vor allem in dem immer wieder eskalierenden Streit zwischen den Demokraten von Präsident Barack Obama und den oppositionellen Republikanern die größte Gefahr für die US-Wirtschaft. Im folgenden ein Überblick über die US-Schuldenfront.

In Wisconsin haben die Angestellten im öffentlichen Dienst in der Landeshauptstadt Madison das Kapitol besetzt, um gegen die rigorosen Sparmaßnahmen des Republikanischen Gouverneurs Scott Walker zu demonstrieren. Mit ihrer Flucht ins benachbarte Illinois haben Demokratische Landesparlamentarier bislang eine Verabschiedung des Sparhaushalts verhindert, obwohl auch ihnen der Grund für die Sparpläne klar ist: Der Bundesstaat hat ein Defizit von 3,6 Mrd. Dollar.

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  • Es sind ja sogar schon Essensmarken für Deutschland gedruckt !!!!! Liegen parat - für alle Fälle.
    Der Fall "alle Fälle" kommt - so sicher wie das Amen in der Kirche.
    Die neue DM 2 ist auch gedruckt - für alle Fälle........

  • Ja, die Krise war nie vorbei, ganz besonders in den USA nicht. Als anschaulicher Beleg mag die Tatsache gelten, das in den USA die Zahl der Essensmarken-Empfänger seit Oktober 2008 Monant für Monat ohne Unterbrechung angestiegen ist. Im Dezember 2010 waren 44,08 Millionen fürs Überleben auf Essensmarken angewiesen.

  • Hahahaha......moin rasmus ;-)
    Das machen sie doch sowieso - auch.
    Und die Private FED schiebt es ihnen ja auch in den Hintern......
    Die Krise ist schon lange in den USA angekommen - hauptsächlich bei der Bevölkerung ( Vorzeigestatten wie z.B. Washington mal ausgenommen )
    Die Krise war nicht vorbei, sie hat noch garnicht richtig angefangen !!!!
    Aber wir sind nun sehr kurz davor.....

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