Wegen Euro-Krise
Fitch warnt vor Bankenbeben in USA

Europas Schuldenkrise ängstigt Amerika. Eine Ratingagentur warnt vor einem Schock für US-Banken. Und der Chef des weltgrößten Anleihe-Investors fürchtet: Den USA könnte das gleiche Schicksal drohen wie Griechenland.
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Die Schuldenkrise in der Euro-Zone kann nach Einschätzung der Rating-Agentur Fitch auch US-Banken in Mitleidenschaft ziehen. Würden die Probleme nicht bald gelöst, werde sich der Ausblick für die Bonitätsnoten der US-Institute verschlechtern, teilte die Agentur am Mittwochabend mit. „Die Risiken eines negativen Schocks nehmen zu.“ Damit sei der „stabile Ausblick“ in Gefahr. In der Regel wird dieser dann erst einmal auf „negativ“ gesetzt, bevor die Ratings gesenkt werden.

Betroffen seien vor allem US-Banken mit einem großen Kapitalmarktgeschäft, warnte Fitch. An der Börse setzte die Nachricht den Aktien von Goldman Sachs und Morgan Stanley, zwei der führenden Investmentbanken der Wall Street, zu. Sie verloren vier beziehungsweise acht Prozent ihres Wertes.

Fitch-Analyst Christopher Wolfe sagte, US-Banken hätten ihre Handelsaktivitäten in Europa in den vergangenen Jahren immer mehr zulasten des Kreditgeschäftes ausgebaut. Nun seien dementsprechend die Einnahmen aus dem Kapitalmarkt-Bereich in Gefahr, weil etwa ein Drittel des Handels in Europa stattfinde.

Eine Ansteckung der US-Banken könnte auch deren Refinanzierung am Kapitalmarkt erschweren. Fitch sorgt sich vor allem darum, dass nach kleineren Euro-Ländern wie Griechenland und Portugal der Schuldenvirus nun von Italien auf die noch vergleichsweise solide dastehenden Staaten Frankreich und Deutschland überspringen könnte. Hier seien die US-Banken noch stärker engagiert, warnte die Agentur.

Aus Sicht der US-Notenbank Fed können die amerikanischen Geldhäuser eine Eskalation der Euro-Schuldenkrise aushalten. „Wir haben sehr viel gemacht, um den Bankensektor vorzubereiten“, sagte Jeffrey Lacker von der Richmond Fed zu Journalisten. So müssten die Häuser unter anderem mehr Kapital vorhalten und ihre Liquiditätspuffer aufstocken. „Das wäre alles hilfreich, wenn es zu so einem Ereignis kommt.

Nach Einschätzung von Mohamed El-Erian, Vorstandschef des weltgrößten Bond-Investors Pimco, könnte den USA eine ähnliche Entwicklung wie in Griechenland drohen: „Das, was wir in Griechenland im Schnelldurchlauf erleben, könnte eines Tages auch die USA erfassen, wenn sich die dortige Politik nicht ändert“, sagte El Erian dem Wirtschaftsmagazin "Capital". Er befürchte, dass die Amerikaner eines Tages wie die Griechen aufwachen und feststellen, dass sie zu sorglos waren und die Bilanz ihrer Notenbank zu sehr überdehnt haben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es betrifft das komplette westl. System.

    Fakt 1: Geld wird von Banken nicht verliehen, sondern per Buchung im Computer erschaffen, d.h. ein Kredit für Person B kommt nicht durch Verleihung des Geldes von Person A zustande, sondern wird neu erschaffen, aus dem Nichts.

    Fakt 2: Auf diesen Kredit des Geldes, das die Banken nicht haben, wird der Zins fällig.

    Fakt 3: Die Rückzahlung des Kredites und des Zinses kann dann auch gar nicht möglich sein, da der Zins nicht im Kreislauf vorhanden ist, d.h. eine komplette Rückzahlung ist unmöglich.

    Fakt 4: Um den Zins rückzahlen zu können, muss entweder a.) jemand anders Geld weggenommen werden, oder b.) ein neuer Kredit aufgenommen werden.

    Fakt 5: Der Zins ist ein ZinsesZins, der exponentiell ist, und damit die Problematik zeitlich nach hinten vergrößert.

    Fakt 6: Durch den exponentiellen Verlauf wird der Zins irgendwann so gross, dass die komplette aufgenommene neue Kreditmenge nur noch für Zins ausgegeben werden muss. Dann erfolgt der Crash.

    Zusammenfassung: Das aktuelle Finanzsystem ist geschaffen worden, ohne jemals die komplette Rückzahlung zu ermöglichen. Das betrifft z.Zt. im Focus
    den Eur, der komplette Zusammenbruch kommt, allein der Zeitpunkt ist offen.

    >Franz Hörmann
    >wissensmanufaktur dot net/vorträge
    >Berd Senf

  • Die Casino-Staaten sind pleite: USA haben heute 150 Billionen (deutsch) an Staatsverschuldung; zum Jahresende 100%BNP. UK verdient 30% BP mit dem Finanzsektor und nur 11% mit dem Prod. Gewerbe.
    Ergo: Alle sind pleite, nur D. nicht. Überlege, ob es nicht besser ist, wenn D. aus dem Euro ausschert: 1:1 € in DM (neu).
    Die anderen können sich entsprechend ihrer Kultur weiter verschulden.
    Deutschland stört nicht mehr, aber verhebt sich auch nicht.

  • Mit dieser lächerlichen Verschwörungstheorie aus der Mottenkiste hoffen Sie wohl, den doofen deutschen Steuerzahler weiter in Schockstarre zu halten, damit er weiter die Schulden anderer Staaten zahlt? Wird nicht klappen, denn allmählich sieht es selbst der dümmste Michel: Raus aus der Transferunion ist die einzige Überlebensmöglichkeit der Deutschen. Darin stimmen übrigens fast alle deutschen Wirtschaftswissenschaftler überein, s.z.B.: http://www.faz.net/artikel/C30638/massenpetition-deutscher-vwl-professoren-oekonomen-gegen-groesseren-euro-rettungsschirm-30328668.html. Ist schon ein paar Wöchelchen her, aber brandaktuell. Zu den Verschörungstheoretikern ein altes Sprichwort als Replik: Wenn der Fuchs predigt, dann nehmt die Gänse in Acht!

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