Wegen falscher Ratings: US-Regierung darf Standard & Poor's verklagen

Wegen falscher Ratings
US-Regierung darf Standard & Poor's verklagen

Die USA werfen der Ratingagentur Standard & Poor's vor, durch falsche Ratings die Finanzkrise verstärkt zu haben. Ein erster Versuch, die Klage abzuweisen, scheitert: Die Richter halten die Vorwürfe für begründet.
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New YorkDie US-Regierung hat im Streit mit der Ratingagentur S&P richterliche Rückendeckung erhalten. Ein kalifornisches Gericht entschied am späten Dienstagabend, dass die Regierung ihre Klage gegen Standard & Poor's (S&P) wegen des Vorwurfs der Irreführung von Investoren durch falsche Ratings für riskante Wertpapiere vor Ausbruch der Finanzkrise vorantreiben darf. Die USA verklagen die Agentur deswegen auf Zahlung von fünf Milliarden Dollar.

Die Richter lehnten nun einen Antrag von S&P auf Abweisung der Klage ab. Zur Begründung hieß es, die Regierung habe ihre Vorwürfe ausreichend untermauert. In der Klage wird ausgeführt, wie es die größte der US-Ratingagenturen versäumte, trotz besseren Wissens die Bonitätsnoten für verbriefte Hypothekenkredite (CDOs) herabzustufen. Die Regierung wirft der Agentur vor, dass sie riskante Wertpapiere lange mit zu guten Bonitätsnoten versehen hat, weil sie selbst davon profitierte. Die Anleger wurden somit nicht vor der heraufziehenden Finanzkrise gewarnt. Erst als diese 2007 mit Problemen am US-Immobilienmarkt ausbrach, wurden die Papiere schnell heruntergestuft - und die Krise so noch verstärkt.

Gegen S&P, eine Tochter von McGraw Hill Financial, sind auch vor einem Bezirksgericht in Manhattan Klagen von 14 US-Bundesstaten und dem Bezirk von Columbia anhängig. Bislang geht die Regierung in Washington vor Gericht aber nur gegen S&P vor, nicht aber gegen deren ebenfalls in die Kritik geratenen Rivalen Moody's oder Fitch.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Zit : "Bislang geht die Regierung in Washington vor Gericht aber nur gegen S&P vor, nicht aber gegen deren ebenfalls in die Kritik geratenen Rivalen Moody's oder Fitch." Meines Wissens war es der 1. August 2011 - ein Gerangel um die Erhöhung der Verschuldungsobergrenze der USA. Die beiden Parteien konnten sich nicht einigen - und allein S&P stufte die Kreditwürdigkeit der USA herab, das AAA-Rating war weg !! (Als Begründung war u.a. zu lesen, es sei ein schlechtes Zeichen, wenn sich die massgeblichen Kräfte des Landes angesichts der bedrohlichen Krise nicht einigen konnten) Es sieht ein wenig nach Rache aus. (Immerhin musste schon der damalige S&P- Verantwortliche gehen.) Dann brachen die Börsen ein, und man jammerte über Milliarden-Verluste und eine Verschärfung der Euro-Krise. Also - Realitätssinn ist nicht gefragt, Bernanke und die FED drucken die Geld- Probleme weg und es gibt also kein Bonitätsproblem der USA. Folglich - S&P hat sich geirrt, die anderen Beiden nicht. Wie gut, dass jedes Unternehmen, welches in den USA Geschäfte machen will, sich von den 3 privaten Rating-Agenturen bewerten lassen muss. Dabei geben sie nur ihre private Einschätzung zum Besten, theoretisch völlig unverbindlich ... .

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