Wegen Spekulationen
Spanien beflügelt Bund-Future-Nachfrage

Wegen anhaltender Spekulationen um einen etwaigen spanischen Hilfsantrag griffen die Anleger auch heute verstärkt zu Bundesanleihen. Der Euro erhielt derweil durch die vorübergehende QE3-Absage einen leichten Dämpfer.
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FrankfurtDie anhaltenden Spekulationen um einen möglichen offiziellen Hilfsantrag Spaniens beim Euro-Rettungsfonds haben Anleger am Freitag verunsichert. Viele gingen daher auf Nummer sicher und kauften erneut Bundesanleihen. Der Bund-Future legte 50 Ticks auf 144,01 Punkte zu.

Dieser Aufwärtstrend werde sicher noch einige Zeit anhalten, sagte Sanjay Joshi, Chef des Anleihe-Geschäfts beim 3,5 Milliarden Dollar schweren Vermögensverwalter London and Capital. Denn die geplanten Anleihe-Käufe der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Unterstützung kriselnder Euro-Staaten seien kein adäquates Mittel zur Überwindung der Schuldenkrise. „Die Senkung der Finanzierungskosten für die Peripherie behandelt nur ein Symptom der Krise und nicht das zugrundeliegende Problem.“

Insidern zufolge verhandelt Spanien hinter den Kulissen über die Bedingungen eines Hilfsantrages. Dieser ist die Voraussetzung für eine zusätzliche Unterstützung durch die EZB. Die stellvertretende spanische Regierungschefin betonte allerdings, es gebe keinerlei derartige Gespräche. Spanien hat bislang Kredite von bis zu 100 Milliarden Euro zur Stützung seines maroden Bankensektors erbeten.

Verstärkt wurde die Nervosität der Investoren von der unsicheren Zukunft Griechenlands. In den kommenden Wochen will die Troika aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) ihren Bericht zu den Spar- und Reformfortschritten vorlegen. Vom Ergebnis hängt ab, ob Athen weitere Gelder bekommt. Am Freitag besuchte Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras Bundeskanzlerin Angela Merkel, um für einen zeitlichen Aufschub bei der Umsetzung der Reformvorgaben zu werben. Bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz betonte Merkel, dass Griechenland seine Zusagen einhalten müsse. „Ich will, dass Griechenland Teil der Euro-Zone bleibt, das leitet alle Gespräche“, fügte sie hinzu.

Am Nachmittag gaben die schwindenden Aussichten auf eine baldige erneute Lockerung der US-Geldpolitik (QE3) dem Dollar Auftrieb. Der Dollar-Index stieg um 0,3 Prozent auf 81,63 Punkte. Im Gegenzug rutschte der Euro nach seiner knapp zweiprozentigen Kursplus der vergangenen Tage wieder unter die Marke von 1,25 Dollar. Er kostete mit 1,2496 Dollar mehr als einen halben US-Cent weniger als zum New Yorker Vortagesschluss.

„Die überraschend starken Auftragseingänge für langlebige Güter deuten darauf hin, dass die US-Konjunktur auf einer soliden Basis steht“, sagte Ravi Bharadwaj, Marktanalyst bei Western Union Business Solutions. „Auf Grundlage der jüngsten Daten scheint es für die Fed keinen Grund für eine weitere Lockerung der US-Geldpolitik zu geben.“

Dank eines brummenden Geschäfts beim US-Flugzeugbauers Boeing wuchs der Auftragseingang langlebiger Güter dem US-Handelsministeriums zufolge im Juli um 4,2 Prozent. Experten hatten lediglich mit einem Plus von 2,4 Prozent gerechnet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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