Widerstandslinien durchbrochen
Experten erwarten steigende Renditen am Bondmarkt

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe hat in den vergangenen Tagen eine markante Widerstandszone überwunden und damit ein Signal in Richtung weiter steigender Renditen ausgelöst. Auffällig war in den letzten Wochen die Resistenz gegenüber geopolitischen Risikofaktoren.

DÜSSELDORF. Noch im vergangenen Jahr schwankten die Renditen von April bis August in einer Bandbreite zwischen 3,85 und 4,15 Prozent. Ende August brach die Rendite nach unten aus. Jedoch entwickelte sich das ausgelöste Signal lediglich unterdurchschnittlich bis 3,65 Prozent, bevor ein charttechnischer Doppelboden ausgebildet wurde. Die Notierungen etablierten sich wieder in der Trading-Range von 3,85 bis 4,15 Prozent. Relativ schnell kam es zum Test der oberen Begrenzung, der im ersten Anlauf erfolglos verlief, dann jedoch mit dem Überwinden der Widerstandszone bei 4,10 Prozent/4,15 Prozent gelang. Nach der Theorie der Elliott-Wellen dürfte die laufende Bewegung einer fünften Impulswelle entsprechen, die im September 2005 bei 3,00 Prozent ihren Ausgangspunkt fand. Als idealtypische Zielzone lässt sich unter Berücksichtigung der üblichen Längenverhältnisse der Teilwellen zueinander ein Niveau von 4,45 Prozent ableiten. Dieses korrespondiert mit den Renditehochs der Jahre 2003 und 2004 bei 4,45 bzw. 4,50 Prozent. Fundamental erscheint die Prognose gut abgesichert.

Es verstärkt sich der Eindruck, dass der EZB-Zinserhöhungszyklus auf Grund der robusten Konjunktur in Euro-Land nicht bereits bei 4,00 Prozent abgeschlossen sein wird. Auffällig war darüber hinaus in den letzten Wochen die Resistenz gegenüber geopolitischen Risikofaktoren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, die Nachhaltigkeit der steigenden Tendenz der Rendite der zehnjährigen US-Anleihe zu hinterfragen. Diese mag angesichts der Probleme in Teilsegmenten des US-Immobilienmarktes überraschen. Sollte es zu einer krisenhaften Zuspitzung der US-Immobilienkrise kommen, unterstellen wir eine sich öffnende Liquiditätsschleuse. Zusammenfassend ist also sowohl in Europa als auch in den USA perspektivisch mit weiter moderat anziehenden Renditen am Anleihemarkt zu rechnen.

Der Autor ist technischer Analyst der WGZ Bank.

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