Wie sich Anleger gegen Kursverluste wappnen
Neue Strategien fürs Zinsdepot

Am Anleihemarkt drohen Kursverluste. Wie Anleger am besten reagieren und ihr Vermögen weiter lukrativ mehren können.
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Vier Prozent mehr Geld – das war für die Vielzahl der Arbeitnehmer lange eine Utopie. Bis vor drei Wochen die Metallindustrie in den Tarifverhandlungen die Grenze durchbrach: 4,1 Prozent erhalten die Metaller vom 1. Juni an mehr. Einfacher sind vier Prozent seit jeher an Zinsen zu erzielen. So viel werfen sichere Staatspapiere schon lange ab. Und wenn die Zeichen nicht trügen, werden am Kapitalmarkt bald noch höhere Zahlen aufgerufen: Die langfristigen Renditen haben erstmals seit 20 Jahren ihren Abwärtstrend verlassen.

Vier Prozent mehr Lohn und vier Prozent Zinsen – die beiden Themen haben durchaus etwas miteinander zu tun. Ist der knallharte Metallabschluss Vorbote allgemein steigender Preise? Das hätte unmittelbare Rückwirkungen auf die Zinsentwicklung. "Es ist denkbar, dass die Inflation in den nächsten Jahren ein Problem wird", warnt Jens Ehrhardt, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung im bayrischen Pullach.

Anleger sollten sich jetzt darauf einstellen, dass die Kurse der Anleihen in ihrem Depot unter Druck geraten könnten – mit entsprechend bösen Überraschungen, vor allem wenn ein unvorhergesehener Verkauf eines Teils der Papiere nötig wird. Mit der richtigen Strategie lässt sich das Zinsdepot aber wetterfest machen.

Schon seit Langem rätselt die Finanzwelt, warum die Zinsen seit Jahren auf historisch niedrigem Niveau verharren. Üblicherweise erhalten Anleger für eine Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit eine Verzinsung, die vier Prozentpunkte über der Inflation liegt. In Euroland sollten das bei seit einigen Jahren konstanter jährlicher Preissteigerung von zwei Prozent also sechs statt der derzeit gut vier Prozent sein. Wenn Zinsen niedriger sind als sonst, kann das laut Theorie beispielsweise an einem schwachen Konjunkturausblick liegen. Doch davon ist keine Rede: Europas Wirtschaft brummt, mit Deutschland an der Spitze – und die Aussicht bis Ende 2008 ist positiv.

Ob der starken Konjunktur scheut sich Jean-Claude Trichet, der Chef der Europäischen Zentralbank, auch nicht, grünes Licht für eine neuerliche Erhöhung des Leitzinses zu geben. Der Satz soll im Juni von derzeit 3,75 auf dann 4,00 Prozent steigen. Auch die Leitzinsen in den USA dürften vorerst auf hohem Niveau bleiben (aktuell 5,25 Prozent). Der dortige Notenbankchef Ben Bernanke zerstreute zuletzt Hoffnungen auf eine baldige Senkung.

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