Wirtschaftsminister stellt Angebot vor
Argentinien bessert ein letztes Mal nach

Argentinien hat bei der US-Börsenaufsicht SEC sein letztes Umschuldungsangebot eingereicht. Das neue Angebot, das Wirtschaftsminister Roberto Lavagna vorstellte, enthält entscheidende Verbesserungen, setzt gleichzeitig aber ein niedrigeres Zinsniveau für die neuen Anleihen an.

HB BUENOS AIRES. Das Land hatte sich Ende 2001 zahlungsunfähig erklärt und will nun bis Ende Januar Anleihen und nicht gezahlte Zinsen in Höhe von über 100 Mrd. Dollar umschulden. Dabei werden alte Anleihen in neue mit schlechteren Konditionen für den Anleger getauscht.

Marktteilnehmer äußerten sich insgesamt verhalten positiv über das neue Angebot. „Das Angebot gibt starke Anreize zur schnellen Zeichnung der neuen Anleihen“, sagt Eduardo Blasco von der Investmentfirma Maxinver. Die Anleger, insbesondere die großen institutionellen Investoren, werden jedoch vermutlich erst im letzten Moment, Mitte Januar, über die Teilnahme entscheiden, glauben Experten. Das Global Committee of Argentina Bondholders (GCAB) erklärte gar, die Verbesserung reiche für seine Zustimmung nicht aus. GCAB ist die größte Gläubigergruppe und hält etwa ein Drittel der zahlungsunfähigen Anleihen. Der Kurs der zahlungsunfähigen argentinischen Anleihen legte angesichts des Nachbesserungsangebots zu. Die 2008 fällige Anleihe, das umsatzstärkste Papier Argentiniens, verzeichnete den größten Kursgewinn innerhalb eines Monats, der Kurs kletterte 0,75 Cent je Dollar Nominalwert auf 31,25 Dollar.

Die argentinische Regierung muss zu einer Einigung mit den Gläubigern kommen, um weitere Tranchen eines Kreditprogramms im Volumen von 13,3 Mrd. Dollar vom Internationalen Währungsfonds zu erhalten, hatte IWF-Sprecher Thomas Dawson vergangenen Monat gesagt. Als neuen Anreiz für die Anleger zur Teilnahme an der Umschuldung wurde auch das Emissionsdatum für die neuen Anleihen auf den 31. Dezember 2003 vordatiert. Das bedeutet, dass die Anleger im Januar eine Bar-Vorauszahlung in Höhe von insgesamt einer Milliarde Dollar erhalten. Denn zu diesem Zeitpunkt sind bereits zwei Zinszahlungen auf die neuen Anleihen fällig geworden: Eine über 550 Mill. Dollar und eine weitere über 450 Mill. Dollar. „Die Vorauszahlung ist schon eine Verbesserung, jedoch recht minimal,“ sagte Martin Apaz von Deloitte & Touche in Buenos Aires.

Neu an dem Angebot ist auch ein spezieller Zuteilungsmechanismus für den Par-Bond. Diese Anleihe, bei dem der Nominalbetrag unangetastet bleibt, dafür aber die Laufzeit länger ausfällt, wird vor allem bei individuellen Anlegern der begehrteste unter den neuen Bonds sein. Deshalb sieht das Umschuldungsangebot vor, dass Par-Bonds während der ersten drei Wochen nach Eröffnung der Umschuldung bis zu einer Höchstsumme von 50 000 Dollar pro Anleger gezeichnet werden können. Auf diese Weise sollen die Kleinanleger bevorzugt zum Zuge kommen.

Für die institutionellen Anleger, also Banken und Versicherungen, ist dagegen vor allem der Discount Bond gedacht, bei dem der Nominalbetrag stark gekürzt wird. Die dritte Option im Bond-Menü ist schließlich ein Quasi-Par-Bond, für den ein minimaler Zeichnungsbetrag von 350 000 Dollar gilt. Dieser Bond ist vor allem für die argentinischen Rentenfonds AFJP gedacht.

Die Regierung gab zudem bekannt, dass sie die nicht bezahlten Zinsen, die vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit am 31. Dezember 2001 angefallen waren, ebenfalls anerkennen beziehungsweise zum Nominalbetrag hinzurechnen werde. Der nominale Umschuldungsbetrag erhöht sich dadurch um 2,1 Mrd. Dollar auf 81,8 Mrd. Dollar. Neu emittiert werden 38,5 Mrd. Dollar in dem Fall, dass die Akzeptanzrate höher als 70 Prozent ausfällt und 41,8 Mrd. Dollar für den Fall einer höheren Teilnahme. Die neuen Anleihen werden in vier Währungen, Dollar, Euro, Yen und Peso emittiert. Lavagna teilte aber mit, dass es für die Regierung keine Mindestannahmequote bei den Anleihegläubigern gebe, um das Angebot durchzuziehen.

Die Zinsrate der neuen Anleihen hat sich im Vergleich zu dem im Juni präsentierten Umschuldungsangebot leicht reduziert. Hatte die Regierung im Juni noch mit zwei verschiedenen Zinsraten je nach dem Grad der Zustimmung operiert, so wurde nun der jeweils niedrigere Zinssatz zugrunde gelegt.

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