Yen-Anleihen
Die Samurai sind zurück

Sichere Anlagen sind gefragt: Nach Monaten in denen ausschließlich Staatspapiere ausgegeben wurden, kehren nun auch Banken und Firmen auf den Markt für Yen-Anleihen in Tokio zurück. Besonders gesunde Unternehmen profitieren in der Krise von der alternativen Finanzierung.

TOKIO. Nach neun Monaten Pause öffnet sich der Markt für Samurai-Bonds wieder. Der französische Versorger Électricité de France besorgt sich in Japan mit Anleihen dieses Typs derzeit 825 Mio. Euro. "Das ist ein Schritt vorwärts", sagt Fondsmanager Masahiro Kami von Daiwa SB Investments. Die Franzosen schließen einen Markt wieder auf, der seit dem Untergang der US-Bank Lehman Brothers nicht zugänglich war.

Ein "Samurai-Bond" ist eine Anleihe, die auf Yen lautet. Sie wird in Tokio nach japanischem Recht ausgegeben. Investoren aus dem Ausland beschaffen sich so Kapital in einem Land, dessen Anleger viele Billionen Euro auf Sparbüchern und in einheimischen Staatsanleihen liegen haben. Sie suchen zunehmend nach ebenfalls sicheren, aber renditeträchtigeren Investitionsmöglichkeiten. Das Geld fließt meist ins Ausland und wird dort eingesetzt. Nur selten bleibt es im Land und stützt das Japangeschäft.

Seit Mitte September vergangenen Jahres hatten nur Regierungen solche Papiere ausgegeben. In letzter Zeit waren wieder Banken aufgetaucht, aber noch keine Industrieunternehmen. Es herrsche daher verstärkt Nachfrage nach Anleihen von Firmen, sagt Kazuhide Tanaka von Mitsubishi UFJ Securities.

Vor allem für gesunde Unternehmen dürften sich damit neue Chancen auftun, wenn sie wegen der Krise mit Schwierigkeiten bei der Finanzierung kämpfen. Électricité de France (EDF) hat Top-Einstufungen der Ratingagenturen. Das Eis könnte nun gebrochen sein, sagen Analysten. Sie erwarten in Zukunft weitere Emissionen.

Der Markt für Samurai-Bonds trocknete im vergangenen September schlagartig aus. Die US-Pleitebank Lehman Brothers hatte Samurai-Bonds im Wert von über einer Mrd. Euro ausgegeben - ein Totalverlust für die japanischen Anleger. Er ruinierte das Image der angeblich sicheren Papiere. Im Oktober folgte noch die isländische Kaupthing Bank mit einem Ausfall. Der Markt schrumpfte auf ein Viertel seines Volumens, reine Privatunternehmen trauten sich nicht mehr aus der Deckung. Daimler war daher am 12. September 2008 der letzte Konzern vor EDF, der die Japan-Bonds nutzte.

Die Emission eines europäischen Unternehmens gilt als besonders wichtiges Signal. In den vergangenen Monaten seien fast nur Papiere mit Staatsgarantie auf den Markt gekommen, sagt Daiwa-Fondsmanager Kami. Das französische Unternehmen sei genau der richtige Spieler gewesen, um das Geschäft wieder in Gang zu bringen. "Japanische Investoren lieben den Energiesektor. Gerade als Betreiber vieler Kernkraftwerke ähnelte Électricité de France den einheimischen Versorgern und hatte damit etwas Vertrautes." Weil der Stromanbieter eine gute Rendite angeboten hatte, war das Interesse der Investoren vergleichsweise groß. Hauptkäufer waren Lebensversicherer und Banken.

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