Zehnjährige Bundesanleihe
Dieser Chart stellt die Finanzwelt auf den Kopf

Die Rendite der viel beachteten zehnjährigen Bundesanleihe ist erstmals unter null Prozent gefallen. Für Börsianer ist das ein historischer Schritt. Wie weit kann es noch runter gehen?  

Frankfurt„Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“, heißt eine bekannte Filmkomödie aus dem Jahr 1989. „Anleger, ich habe die Zinsen geschrumpft“, könnte 27 Jahre später EZB-Chef Mario Draghi sagen. Sowohl die Leitzinsen als auch die Kapitalmarktzinsen – also die Anleiherenditen – in ganz Europa lässt der Vorsitzende der Europäischen Zentralbank (EZB) dabei schon lange fallen.

Doch jetzt gibt es einen neuen Höhepunkt: Die Rendite der deutschen Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit ist an diesem Dienstag um kurz vor halb 10 erstmals in ihrer Geschichte unter null Prozent gefallen.

Die zehnjährige Bundesanleihe gilt seit Jahrzehnten als die entscheidende Benchmark für die langfristigen Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum. Außerdem bezieht sich der wichtigste europäische Anleiheterminkontrakt – der Bund-Future - auf die zehnjährige Bundesanleihe. Deshalb sorgt das Rekordtief der zehnjährigen Bund-Rendite für großes Aufsehen bei Investoren – auch wenn schon länger Bundesanleihen mit einer Laufzeit von bis zu neun Jahren sogar im negativen Bereich rentieren. Die Spanne reicht dabei von minus 0,4 Prozent für zweijährige bis minus 0,1 Prozent für neunjährige Papiere.

Gründe für die steigenden Kurse und fallenden Renditen gibt es viele: Allen voran ist es die Politik der Europäischen Zentralbank. „Die EZB heizt die Rally an“, meint Harvinder Sian, Zinsstratege bei der US-Bank Citi. Im April dieses Jahres hat die EZB ihr seit März 2015 laufendes Anleihekaufprogramm vor gut drei Monaten um monatlich 20 Milliarden auf 80 Milliarden Euro erhöht.

Dabei kauft die EZB vor allem Staatsanleihen. Seit dem 8. Juni greift sie auch bei Anleihen von Unternehmen zu. Zudem hat sie den Leitzins auf null Prozent gesenkt und dazu den Einlagenzins auf minus 0,4 Prozent heruntergesetzt. Banken, die über Nacht Geld bei der Notenbank anlegen, zahlen somit eine Strafgebühr.

Mit ihrer Geldpolitik will die EZB die Kreditvergabe und damit Investitionen und die Konjunktur ankurbeln. Dabei geht es ihr im Endeffekt darum, die Inflationsrate zu erhöhen, die mit minus 0,1 Prozent weit entfernt vom EZB-Ziel einer mittelfristigen Inflation von knapp zwei Prozent liegt.

Beflügelt wird die Talfahrt der Renditen von Bundesanleihen zudem durch die jüngsten US-Konjunkturdaten. Der schwache US-Arbeitsmarkt hat die nächste Zinserhöhung der US-Notenbank Fed bereits im Juni unwahrscheinlicher gemacht. Erhöht hatte die Fed den Leitzins zuletzt im Dezember auf 0,25 bis 0,5 Prozent.

Hinzu kommt die wachsende politische Unsicherheit – vor allem durch die Angst vor einem „Brexit“. Am 23. Juni stimmen die Briten über den Verbleib in der Europäischen Union ab. „Sollte es zu einem Brexit kommen, wird die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sicher in den negativen Bereich fallen“, sind die Strategen der Landesbank Baden-Württemberg überzeugt.

Seite 1:

Dieser Chart stellt die Finanzwelt auf den Kopf

Seite 2:

Die Null dürfte nicht lange halten

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%