Zinsangst und Konjunktursorgen
Investoren flüchten in Festverzinsliches

Risikoscheue Anleger haben am Dienstag die Kurse der europäischen Staatsanleihen kräftig nach oben getrieben. Händlern zufolge flüchteten Investoren aus Aktien-Anlagen in die als sicher geltenden Festverzinslichen.

HB FRANKFURT. Zusätzliche Unterstützung erhielten die Renten von einer Eintrübung der Konjunkturerwartungen für Deutschland. „Die hohe Nervosität am Aktienmarkt spiegelt sich in den Renten wieder“, sagte ein Händler. „Man fragt sich jetzt halt, ob in den Aktien nicht zu viel Konjunkturoptimismus eingepreist war.“ Der für die europäischen Rentenmärkte richtungweisende Bund-Future stieg in der Spitze um 57 Ticks auf 117,26 Zähler. Die dem Bund-Future zugrunde liegende zehnjährige Bundesanleihe kletterte 45 Ticks auf 101,24 Stellen und rentierte mit 3,859 Prozent so niedrig wie seit Anfang April nicht mehr.

Aus Angst vor weiter steigenden Zinsen und einer sich global abschwächenden Konjunkturdynamik haben Aktienanleger am Dienstag weiter ihre Papiere abgestoßen. Der Dax fiel im Handelsverlauf unter die Marke von 5 300 Punkten auf den niedrigsten Stand seit einem halben Jahr. Die Aussichten für die deutsche Konjunktur haben sich nach Einschätzung von Finanzmarktexperten weiter eingetrübt. Der Saldo der Konjunkturerwartungen von rund 300 monatlich befragten Analysten und institutionellen Anlegern sank nach Angaben des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Juni auf 37,8 von 50,0 Punkten. Analysten hatten im Schnitt mit 45 Zählern gerechnet. Die aktuelle Lage beurteilten die Experten dagegen mit 11,9 (8,7) Punkten besser als im Vormonat. Prognostiziert war ein Anstieg auf 9,3 Punkte.

Mit Blick auf die Inflationsentwicklung in den USA werden im Verlauf die Erzeugerpreise und Einzelhandelsumsätze spannend. Von Reuters befragte Analysten gehen im Schnitt davon aus, dass die US-Erzeugerpreise im Mai (14.30 Uhr MESZ) um 0,4 Prozent angestiegen sind nach 0,9 Prozent im April. „Die hohen Erzeugerpreise kommen letzten Endes aus dem Rohstoffmarkt und können nicht unbedingt auf die Verbraucher abgewälzt werden.

Daher erhöhen sie auch nicht zwingend den Inflationsdruck“, sagte ein Händler. Bei den Einzelhandelsumsätzen (14.30) sagen die Analysten für Mai ein Plus von 0,1 Prozent nach 0,5 Prozent im April voraus.

Der Bobl-Future notierte 26 Ticks höher bei 110,32 Punkten, der Schatz-Future lag sieben Ticks im Plus bei 104,45 Stellen.

Die von der Bundesbank täglich errechnete Umlaufrendite börsennotierter öffentlicher Anleihen fiel auf 3,76 (3,82) Prozent. Der Rex-Rentenindex notierte mit 0,3 Prozent im Plus bei 117,9651 Stellen.

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