Zinspapiere von GM und Ford sind riskant – Europäische Bonds bieten nur noch wenig Rendite: Experten sehen Autoanleihen kritisch

Zinspapiere von GM und Ford sind riskant – Europäische Bonds bieten nur noch wenig Rendite
Experten sehen Autoanleihen kritisch

Fondsmanager sehen bei den Anleihen von Autokonzernen mehr Risiken als Chancen. Auch große Banken bewerten Autobonds zurzeit bestenfalls mit der Einschätzung „neutral“; einige Häuser wie ABN Amro oder die Hypo-Vereinsbank gewichten diese in ihren Musterportfolios sogar unter.

FRANKFURT/M. „Das Problem ist, dass der Sektor zweigeteilt ist“, sagt Elmar Zurek, Fondsmanager bei der DWS. „Auf der einen Seite gibt es stabile europäische Titel und auf der anderen Seite Anleihen von General Motors und Ford, die sehr stark schwanken.“ Für Bondanleger werden die Autoanleihen damit zum Zünglein an der Waage: Laufen die Zinspapiere der US-Konzerne gut, dürften auch Anleiheportfolios gute Erträge abwerfen. Andernfalls drohen Einbußen, meint Peter Varga, Fondsmanager bei Union Investment.

Auf den ersten Blick erscheinen Anleihen der US-Hersteller attraktiv: General Motors (GM) bietet mit Abstand die höchsten Renditen unter den Autobonds, die von den Ratingagenturen das Gütesiegel Investment-Grade haben. Eine in fünf Jahren fällige GM-Anleihe bringt rund 5,60 Prozent Rendite und damit 2,40 Prozentpunkte mehr als eine sichere Bundesanleihe. Dafür steht der US-Autogigant mit seinen Ratings aber auch auf der Kippe. Standard & Poor’s (S&P) hat angekündigt, das Rating „BBB-“ – das schlechteste im Investment-Grade – im Sommer zu überprüfen. Die hohen Pensionsverpflichtungen und die Tatsache, dass GM nur mit der Finanzierungstochter Geld verdient, nicht aber im Kerngeschäft, bereiten der Agentur Sorgen.

Die meisten Experten rechnen damit, dass S&P GM nur einen negativen Ratingausblick verpassen, das Unternehmen aber vorerst nicht herabstufen wird. „Doch selbst bei einer Herabstufung kann man nicht sagen, wie der Markt reagiert. Grundsätzlich ist sie schon eingepreist, und deshalb kann es vielleicht sogar zu steigenden Kursen kommen, wenn Klarheit herrscht“, sagt Zurek. Andererseits könnte eine Herabstufung Verkäufe auslösen, weil viele Fonds keine Anleihen mit einem Rating unterhalb des Investment-Grades halten dürfen.

Auch Ford bewertet S&P mit „BBB-“. Die Aussichten für die Nummer zwei auf dem US-Markt sind aber etwas besser: „Ford steht von der Produktentwicklung derzeit besser da als GM und hat demzufolge auch größere Möglichkeiten in der Preisgestaltung“, sagt Frank Hussing, Analyst für Autoanleihen bei Deka Investment. Allerdings seien die fundamentalen Unterschiede nicht groß genug, um die aktuellen Renditeabstände zwischen den Bonds der Unternehmen zu rechtfertigen. Eine 2010 fällige Anleihe von Ford bietet aktuell knapp fünf Prozent Rendite und damit viel weniger als der fünfjährige GM-Bond. Anleihen von Daimler-Chrysler hält Hussing dagegen mit einer Rendite von 3,85 Prozent bei einer Laufzeit von sechs Jahren für fair bewertet. „Daimler-Chrysler hat im Vergleich zu anderen europäischen Autobauern etwas größere Probleme, gilt im Kern aber als solide“, meint auch Union-Fondsmanager Varga.

Generell raten die Experten bei US-Autoanleihen zu kürzeren Laufzeiten. „Da die Unternehmen über sehr hohe Geldbestände verfügen, sind aus heutiger Sicht die kürzeren, bis 2006 und 2007 laufenden Anleihen für Investoren, die die Bonds bis zur Fälligkeit halten, attraktiver als länger laufende Anleihen“, sagt Varga. In einem Jahr fällige Anleihen der Konzerne rentieren zurzeit mit knapp 3,70 (GM) bzw. 3,15 Prozent (Ford).

GM bietet damit für ein Jahr mehr Rendite als fünfjährige Anleihen der europäischen Autobauer Volkswagen, Renault und Peugeot. Deren 2010 fällige Bonds rentieren zwischen 3,40 und 3,50 Prozent. Eine bis 2011 laufende Anleihe von BMW bringt 3,55 Prozent Rendite. „Die europäischen Unternehmen stehen zwar fundamental recht gut da, ihre Bonds sind aber sehr teuer“, urteilt Zurek.

Das könnte zum Problem werden, wenn die historisch niedrigen Renditen der Bundesanleihen anziehen, was viele Banken erwarten. Die Fondsmanager glauben, dass Anleger zum Teil von Autoanleihen in Bundesanleihen umschichten werden, wenn die Renditen der Staatspapiere steigen. Dann würden Bundespapiere, die kein Ausfallrisiko haben, wieder attraktiver werden. „Das würde besonders die bereits sehr teuren und defensiven Namen im Autosektor treffen“, fürchtet Hussing.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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