Zinsprognose und die EZB: „Die Luft für Bundesanleihen wird dünn“

Zinsprognose und die EZB
„Die Luft für Bundesanleihen wird dünn“

Wenn die EZB am Donnerstag ihre Geldpolitik weiter lockert, könnte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ins Minus rutschen. Allerdings nur kurz, meinen Experten. Wie es in der Minus-Welt weitergeht.

Frankfurt am MainDie Welt der Zinsen steht auf dem Kopf. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagensatz erstmals im vergangenen Juni in den negativen Bereich gesenkt hat, verzinsen sich auch immer mehr Anleihen im Minus. Im Euro-Raum sind es rund 45 Prozent aller Staatspapiere, in Deutschland mittlerweile fast 80 Prozent. Auch viele Pfandbriefe und selbst Unternehmensanleihen von soliden Schuldnern rentieren leicht im Minus. Und in dieser Woche gelang es der Hypothekenbank Berlin Hyp als erster Bank einen Pfandbrief mit negativer Rendite zu platzieren. Für Anleger verschärft sich die Misere. Auch längerfristige Papiere wie achtjährige Bundesanleihen rentieren derzeit im negativen Bereich. Dabei gelten Staatsanleihen eigentlich als sichere Geldanlage. Doch statt ihr Geld nun dank Zinsen zu mehren, zahlen Anleger nun für ihre Investition drauf.

Auslöser dessen war die EZB. Dort müssen Banken für Übernachteinlagen bei der EZB einen Strafzins von 0,3 Prozent bezahlen. Und es könnte noch tiefer ins Minus gehen. Investoren rechnen fest damit, dass die EZB den Einlagensatz am morgigen Donnerstag auf minus 0,4 oder sogar minus 0,5 Prozent senken wird. Dazu könnte sie ihr Anleihekaufprogramm ausweiten. Die große Frage, die Experten großer öffentlicher Banken bei der halbjährlichen Zinsprognose-Pressekonferenz des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) am Tag vor der EZB-Sitzung beschäftigt, ist, ob auch viel beachtete deutsche Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit in den Minus-Bereich drücken wird.

Aktuell rentiert die zehnjährige Bundesanleihe mit 0,23 Prozent, Ende Februar war sie unter 0,1 Prozentpunkt gerutscht und im vergangenen April erreichte sie mit 0,07 Prozent ein historisches Tief – um danach binnen kurzer Zeit wieder auf über ein Prozent zu steigen.

„Grundsätzlich würde eine negative Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe nicht viel ändern, wir haben ja schon sehr viele Negativ-Zinsen“, meint dazu Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank. Es wäre aber ein „historischer Schritt“, und de la Rubia kann sich vorstellen, dass wir diesen nach der EZB-Sitzung sehen werden. Jens Kramer, Leiter Volkswirtschaft und Strategie bei der NordLB, will den Fall unter null Prozent zumindest nicht ausschließen. Er hält es jedoch genauso möglich, dass die EZB morgen die Märkte nicht in euphorische Stimmung versetzt, eben weil schon so lange weitere Schritte der Notenbank erwartet werden.

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