Zinsprognosen „Draghi muss seinen Kritikern etwas anbieten“

Die Kritik an der Niedrigzinspolitik von EZB-Präsident Draghi wird lauter. Ökonomen sind sich einig: Im kommenden Jahr wird die Notenbank ihre umstrittenen Anleihekäufe zurückfahren. Doch was heißt das für die Märkte?
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Die EZB wird sich bewegen - aber höhere Zinsen wird es noch lange nicht geben. Quelle: Imago
Sanduhr auf Euro-Scheinen

Die EZB wird sich bewegen - aber höhere Zinsen wird es noch lange nicht geben.

(Foto: Imago)

Frankfurt Mario Draghi hat es nicht eilig. An seiner ultralockeren Geldpolitik will der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) noch festhalten. Erst am Mittwoch betonte er bei seiner Rede vor dem niederländischen Parlament, dass es nötig sei, den „sehr substanziellen“ Konjunkturimpuls aufrecht zu erhalten. Dennoch: Die Uhr für den langsamen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik läuft – wenn auch sehr langsam.

Das meinen auch die Volkswirte der größten Mitgliedsbanken des Verbands Öffentlicher Banken (VÖB), die sich am Mittwoch zu ihrer halbjährlichen Zinsprognose-Pressekonferenz in Frankfurt trafen. Dabei sind sich Ökonomen einig, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung im Juni die Prognosen für Wirtschafts- und Inflationsausblick anheben wird. Einen konkreten Fahrplan für das Auslaufen der Anleihekäufe dürfte es dann aber frühestens im September geben. „Draghi hat es nicht eilig, aber er muss seinen Kritikern etwas anbieten“, meint dazu Ulf Krauss, Volkswirt bei der Helaba.

Anleihen – vor allem Staatspapiere der Euro-Länder – kauft die EZB seit gut zwei Jahren. Inzwischen hat sie Bonds im Umfang von mehr als 1,8 Billionen Euro auf ihrer Bilanz. Das gesamte Kaufprogramm, das auch Unternehmensanleihen, Pfandbriefe und Verbriefungen umfasst, soll noch bis Ende Dezember laufen und dann eine Größenordnung von 2,3 Billionen Euro erreichen. Danach wird es kein abruptes Ende, sondern nur ein langsames Herunterfahren – das sogenannte Tapering – der Käufe geben. Doch was heißt das für die Märkte? Wird es Verwerfungen geben, wenn mit der EZB ein großer Käufer wegfällt?

Die Aktienkurse der Notenbanken

SCHWEIZERISCHE NATIONALBANK NAMENS-AKTIEN SF 250

WKN
ISIN
CH0001319265
Börse
FSE

+130,00 +2,72%
+4.700,00€
Chart von SCHWEIZERISCHE NATIONALBANK NAMENS-AKTIEN SF 250
Schweizerische Nationalbank
1 von 4

Die schweizerische Nationalbank hat den niedrigsten Wert an der Börse. Sie ist dort rund 190,5 Millionen Schweizer Franken wert, umgerechnet 175 Millionen Euro. Nicht alle Aktionäre sind mit dieser Bewertung einverstanden. Sie sei zu niedrig, kritisieren sie. Immerhin lag der letzte Notenbankgewinn bei 24,5 Milliarden Franken. Doch es gibt auch Gründe für die niedrige Bewertung. Das Stimmrecht der Privataktionäre ist begrenzt, ebenso wie die Dividende. Erwirtschaftet die Bank nun einen größeren Gewinn, so haben die Aktionäre davon in der Regel wenig.

Bank of Japan

WKN
ISIN
Börse

Chart von Bank of Japan
Bank of Japan
2 von 4

Bereits seit Jahren mangelt es den Japanern an Kaufkraft. Das liegt unter anderem an fallenden Preisen. Verbraucher hoffen auf zukünftige Schnäppchen und Firmen stellen Investitionen zurück. Großes Ziel der Nationalbank ist deshalb ein Inflationsziel von zwei Prozent, womit sie sich äußerst schwer tut. In der ersten Jahreshälfte 2013 erfuhr die Aktie noch einen enormen Kursanstieg. Seitdem geht es nur noch bergab. Im zuletzt berichteten Geschäftsjahr machte die japanische Notenbank einen hohen Verlust von rund 200 Milliarden Yen (umgerechnet rund 1,7 Milliarden Euro).

NATIONAL BANK OF GREECE S.A. NAMENS-AKTIEN EO -,30

WKN
ISIN
GRS003003027
Börse
FSE

+0,02 +6,13%
+0,32€
Chart von NATIONAL BANK OF GREECE S.A. NAMENS-AKTIEN EO -,30
Bank of Greece
3 von 4

In den Krisenjahren mussten die Aktionäre der Bank of Greece einen gewaltigen Wertverlust hinnehmen. Der Kurs fiel von 80 Euro auf 40 Euro und zuletzt sogar auf rund 10 Euro. Dafür können Anleger in Griechenland eine vergleichsweise hohe Dividende abschöpfen. Die Mindestdividende liegt hier bei zwölf Prozent auf den Nennwert der Aktien.

BANQUE NATIONALE BELGIQUE S.A. ACTIONS AU PORT. O.N.

WKN
ISIN
BE0003008019
Börse
STU

+10,00 +0,34%
+2.950,00€
Chart von BANQUE NATIONALE BELGIQUE S.A. ACTIONS AU PORT. O.N.
Banque National Belgique
4 von 4

Die belgische Nationalbank gehört seit 1948 zur Hälfte dem Staat und schüttet ebenfalls eine Dividende aus. Die Mindestdividende liegt dabei bei sechs Prozent. Auch der Kurs der Aktie kann sich sehen lassen. Er bewegt sich zwischen 2.000 und 4.000 Euro – wenn auch mit großen Ausschlägen. Die Macht der Anleger ist jedoch wie bei allen börsennotierten Notenbanken sehr beschränkt. So dürfen sie zum Beispiel nicht über die Geldpolitik mitentscheiden und für die Gewinnverwendung gibt es Vorgaben der Nationalstaaten. Fachleute raten daher allgemein nicht zu Notenbankaktien, wenn das Ziel ist, eine liquide Anlage zu tätigen.

Die vom VÖB-eingeladenen Experten meinen: Nein. „Letztlich weiß jeder, dass es mit den Anleihekäufen nicht ewig so weiter geht, und die Käufe im nächsten Jahr zurückgefahren werden“, sagt Jan Holthusen, Leiter des Anleiheresearchs bei der DZ Bank. Dazu kommt laut Cyrus de la Rubia, Volkswirt bei der HSH Nordbank, dass kein nachhaltiger Inflationsdruck zu erwarten ist, es mit den spätestens im kommenden Frühjahr anstehenden Wahlen in Italien noch politische Unsicherheiten gibt und sich in den USA eine gewisse Ernüchterung mit Blick auf die im Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump versprochen Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur durch Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben breit macht. Deshalb werden auch die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen nach Meinung der Ökonomen nicht mehr so massiv anziehen.

Entsprechend meinen die Ökonomen, dass die Renditen deutscher Bundesanleihen noch niedrig bleiben werden. Bis zum Herbst prognostizieren DZ Bank, Helaba und HSH Nordbank nur einen kaum merklichen Anstieg der zehnjährigen Bund-Rendite von aktuell 0,4 auf dann 0,45 bis 0,55 Prozent. Mit Sicht auf ein Jahr dürfte es dann auch nur leichte Anstiege auf 0,75 Prozent (DZ Bank und HSH Nordbank) bis ein Prozent (LBBW und NordLB) geben. „Ein durchbrochener Abwärtstrend bei den Renditen ist noch lange kein Aufwärtstrend“, meint Torsten Windels, Volkswirt bei der NordLB.

Ihr historisches Tief hatte die zehnjährige Bundesanleihe im vergangenen Juni mit minus 0,2 Prozent erreicht. Seither geht es in der Tat aufwärts – aber nur langsam und unter Schwankungen. Im März war die zehnjährige Bund-Rendite auf knapp ein halbes Prozent gestiegen, danach sackte sie angesichts der Unsicherheiten um die französischen Präsidentschaftswahlen bis Mitte April auf bis zu 0,16 Prozent ab. Seit sich nach der der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen im April abzeichnete, dass der inzwischen zum Präsidenten gewählte sozialliberale und europafreundliche Emmanuel Macron das Rennen gegen die rechtsextreme Marine Le Pen mit ihren Euro-Ausstiegsplänen macht, steigen die Renditen wieder.

Überlegungen zum Ausstiegsfahrplan
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5 Kommentare zu "Zinsprognosen: „Draghi muss seinen Kritikern etwas anbieten“"

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  • Diese "Märkte" ...was wird da gearbeitet ? Produziert ? Geschaffen ?

  • @Herr Marc Hofmann, 10.05.2017, 17:01 + 17:11 Uhr

    Warum halten Sie es für nötig, sich für Ihre Kommentare ständig wechselnde Identitäten zuzulegen?

  • Signore Draghi ist der Größte, er versorgt uns Investoren mit Geld und dadurch den Plebs mit
    Arbeitsplätzen. Zusätzlich kauft er noch unsere Schuldscheine, eine Leistung die unvergessen
    bleibt. Als zusätzliches Zuckerl bekommt der Investor von manch einem Herz-Jesu-Sparer noch
    seine Zinsen vergönnt, damit Gutes auf dieser Welt geschehe. Wie wahr, Gutes tut der Fink
    und gönnt sich sonst auch nichts, edel wie eben sein Gönner der Sparer. Immer wenn ich
    solche Texte lese, kommen mir die Tränen, so gut , edel und warmherzig bin ich. Ha Ha Ha

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • „Draghi muss seinen Kritikern etwas anbieten“

    'n Sch... muss der. Die müssen sich endlich s e l b s t etwas Besseres einfallen lassen. Und zwar allesamt.

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