Anleihen
Zinsspekulationen schicken Renten auf Talfahrt

Der anhaltende Konjunkturoptimismus in Deutschland hat erneut Zinsspekulationen ausgelöst und die Kurse an den Rentenmärkten am Dienstag auf Talfahrt geschickt.

HB FRANKFURT. Der richtungweisende Bund-Future verlor bis zum Mittag 64 Ticks auf 117,64 Punkte. Die dem Bund-Future zugrunde liegende zehnjährige Bundesanleihe notierte 48 Ticks im Minus bei 98,33 Punkten und rentierte mit 3,704 Prozent. „Der starke Ifo-Index liefert einen weiteren Grund für die EZB, die Zinsen zu erhöhen. Das belastet die Rentenmärkte“, sagte ein Händler der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Der Ifo-Geschäftsklimaindex war im März überraschend auf 105,4 von revidiert 103,4 Punkten im Februar gestiegen, während Experten im Schnitt einen Rückgang auf 102,8 Stellen vorausgesagt hatten. Für einen weiteren Zinsschritt der Europäischen Zentralbank (EZB) spricht auch die beschleunigte Kreditvergabe im Euro-Raum. Das Wachstum der Geldmenge M3 erhöhte sich nach den Daten der Notenbank im Februar auf 8,0 Prozent.

Die Indikatoren deuten nach Einschätzung von Analysten auf einen stärkeren Aufschwung im Euro-Raum. „Das alles weist darauf hin, dass Risiken für die Preisstabilität vorhanden sind, und das spricht für einen frühen Zinsschritt im Mai“, sagte Analyst Michael Schubert von der Commerzbank. Die üppige Ausstattung der Wirtschaft mit Geld ist einer der Gründe für den restriktiveren Kurs der EZB, die im Dezember die Zinswende eingeleitet hatte. Seither hat die Zentralbank zwei Mal den Leitzins um 25 Basispunkte auf einen Stand von nun 2,50 Prozent angehoben.

Am Abend wird nach Einschätzung von Experten die US-Notenbank (Fed) zum fünfzehnten Mal seit Mitte 2004 den Leitzins um 25 Basispunkte auf dann 4,75 Prozent anheben. Ihr Hauptaugenmerk dürften die Anleger daher auf die genaue Wortwahl von Fed-Chef Ben Bernanke nach seiner ersten Zinsentscheidung an der Spitze der Notenbank richten. „Die Finanzmärkte kennen Herrn Bernanke noch nicht genau“, sagte der LBBW-Händler. „Die Frage wird nun sein, ob Bernanke die Politik von Vorgänger Alan Greenspan fortsetzt oder neue Töne anschlägt“, ergänzte er. Mit einem Ende der Phase steigender Zinsen in der größten Volkswirtschaft der Welt rechnet der Händler noch nicht. „Ein weiterer Zinsschritt wird wohl noch kommen“, sagte er. Zuletzt hatte ein unerwarteter Nachfrageeinbruch am US-Immobilienmarkt Spekulationen auf ein baldiges Ende der Zinserhöhungsphase neuen Auftrieb gegeben.

Der Bobl-Future verlor am Dienstag 44 Ticks auf 110,26 Stellen, der Schatz-Future fiel um 16 Ticks auf 104,520 Zähler. Die von der Bundesbank täglich errechnete Umlaufrendite börsennotierter öffentlicher Anleihen legte auf 3,64 (Montag 3,56) Prozent zu. Der Rex-Rentenindex notierte 0,4 Prozent im Minus bei 118,4854 Stellen.

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