Zinssteigerungen
Staaten müssen mehr für Anleihen zahlen

Moody?s fürchtet 2010 steigende Zinsen an den Märkten und mahnt die Regierungen zum Defizitabbau. Besonders Länder mit höch eingestufter Bonität müssten damit zügig beginnen, so die Ratingagentur. Welche Staaten ein schlechteres Rating fürchten müssen.
  • 0

FRANKFURT. Die Ratingagentur Moody?s fürchtet, dass die Refinanzierung für Industrienationen im kommenden Jahr teurer wird: Nach dem Krisenjahr 2009, in dem die Anleihen von Ländern mit guten Ratings sehr gefragt und für die Staaten entsprechend günstig waren, sei 2010 bestenfalls mit einer Normalisierung und schlimmstenfalls mit einer deutlichen Verschlechterung der staatlichen Refinanzierungsbedingungen zu rechnen.

Preis der Krise wird sich erst zeigen

Erst im kommenden Jahr werde sich für die Staaten deshalb zeigen, welchen Preis die Krise tatsächlich fordert, heißt es einer Moody?s-Studie zur Entwicklung der weltweiten staatlichen Kreditrisiken. Eine große Gefahr steigender Staatsanleihe-Renditen sieht Pierre Cailleteau, Managing Director in der für Länder-Ratings zuständigen Abteilung bei Moody?s vor allem dann, wenn Regierungen und Notenbanken ihre Stützungsmaßnahmen und Liquiditätshilfen schneller als erwartet zurücknehmen. Einen Ausstieg der Notenbanken aus der extrem lockeren Geldpolitik erwartet Moody?s - wie auch die meisten Volkswirte bei Banken - schon im nächsten Jahr.

Dass die Staaten den Gürtel wieder enger schnallen und ihre Verschuldung herunterfahren müssen, liegt für Moody?s auf der Hand. Gerade Länder, deren Bonität mit der höchsten Bonitätsstufe "Aaa" bewertet seien, müssten mit dem Abbau ihrer Haushaltsdefizite ebenfalls zügig beginnen und könnten nicht warten bis sich der wirtschaftliche Aufschwung gefestigt habe. Die Länder müssten deshalb schon bald glaubwürdige finanzpolitische Konsolidierungsprogramme vorlegen.

Vor einer Woche hatte die Agentur bereits für Aufsehen gesorgt, indem sie erklärte, dass die mit dem Top-Rating Dreifach-A bewerteten Länder Großbritannien und die USA immer näher an den unteren Rand des Bereichs erstklassiger Bonitätsnoten rutschten, da sich in beiden Ländern die Lage der öffentlichen Haushalte infolge der Finanzkrise deutlich verschlechtere. Die "Aaa"-Ratings von zum Beispiel Deutschland und Frankreich seien dagegen sehr viel widerstandsfähiger mit Blick auf weitere externe Schocks. Die Ratingausblicke sind allerdings bei allen "Aaa"-Ländern stabil, so dass eine baldige Herabstufung nicht ansteht.

Euro als Hemmschuh

Kritisch äußerte sich Moody?s in dem Bericht auch zu Ländern wie Portugal und Griechenland. Der Euro könne sich für diese Länder als Hemmschuh erweisen. Cailleteau sieht die Gefahr, dass "eine allmähliche, aber unerbittliche Erosion wirtschaftlicher Vitalität einsetzt, vergleichbar mit derjenigen, die kleine und nicht wettbewerbsfähige Städte und Regionen in einem großen Land befallen können."

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Zinssteigerungen: Staaten müssen mehr für Anleihen zahlen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%