11 000 Euro pro Papier
Deutschlands teuerste Aktie vor dem Aus

Die teuerste Aktie Deutschlands, die Kötitzer Ledertuch- und Wachstuch-Werke AG, soll vom Kurszettel verschwinden. Der laut Forbes-Liste viertreichste Mann Deutschlands will die restlichen knapp 50 Aktien aufkaufen, die im Besitz anderer Aktionäre sind. Dabei will er einen deutlichen Aufschlag zahlen.

HB NORDERFRIEDRICHSKOOG. Norderfriedrichskoog an der Westküste Schleswig-Holsteins ist ein besonderes Nest. Bis 2004 war es eine bundesweit bekannte Steueroase, da keine Gewerbesteuer erhoben wurde. 400 Firmen und Konzerne siedelten sich hinter dem Deich an. Einige Unternehmen hatten nicht mehr als einen Briefkasten. Während die meisten Global Player wieder fort sind, sticht ein Unternehmen weiter hervor: Die Kötitzer Ledertuch- und Wachstuch-Werke AG. Sie hat mit 11 000 Euro die teuerste Aktie Deutschlands.

Jetzt soll die AG zu 100 Prozent übernommen werden - und wird danach wohl von der Börse verschwinden. Tücher werden bei Kötitzer schon seit den 60er Jahren nicht mehr hergestellt, Maschinen und riesige Stoffballen sucht man in der Diekstraat 3 vergeblich. „Es gibt kein aktives Handelsgeschäft mehr“, sagt Vorstand Werner Harder. Heute sind die früheren Tuchwerke eine reine Vermögensverwaltung.

Von den 235 000 Aktien gehören mehr als 99 Prozent der KL Holding, hinter der sich die Familie von Adolf Merckle verbirgt. Der Milliardär - laut Forbes-Liste viertreichster Mann Deutschlands - bündelt bei Kötitzer einige seiner Vermögenswerte. Dazu gehört eine 49-prozentige Beteiligung an der Spohn Cement GmbH, die wiederum mit 60 Prozent an Heidelberg Cement beteiligt ist.

Merckle, Gründer des Pharmaunternehmens Ratiopharm, und seine Familie möchten die Kötitzer AG komplett übernehmen und zu diesem Zweck die restlichen Aktien aufkaufen. Nur knapp 50 Aktien sind noch im Besitz anderer Aktionäre. Um diese zur Abgabe zu bewegen, soll eine Abfindung von 14 520 Euro pro Exemplar gezahlt werden. Ein Herausdrängen von Minderheitsaktionären (Squeeze-out) ist möglich, wenn ein Hauptaktionär mindestens 95 Prozent einer AG hält. „Die wenigen Minderheitsaktionäre rechtfertigen nicht mehr den enormen Aufwand einer Börsennotierung“, sagt Alleinvorstand Harder.

Am 19. Dezember findet in Stuttgart eine außerordentliche Hauptversammlung statt, die über den Börsenabschied befinden wird. Anfechtungsklagen könnten das Ende der teuersten Aktie Deutschlands allenfalls herauszögern. Harder ist gespannt, ob zu diesem Anlass mehr Minderheitsaktionäre kommen, als zu den letzten Versammlungen. „Da kam kaum einer.“

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