150 Prozent Kursgewinn
VW-Aktie: 430 Punkte für den Dax

Verglichen mit anderen internationalen Indizes hat sich der Dax 30 zum Wochenbeginn wacker gehalten. Doch das Bild wandelt sich schnell, wenn man die haussierende VW-Aktie aus dem Index rausrechnet. Deren Entwicklung nimmt immer unfassbarere Züge an.

DÜSSELDORF. Die Finanzkrise hat in vielen Bereichen neue Maßstäbe geschaffen. Das gilt auch und besonders für die Aktienmärkte. Ein Tagesanstieg um 146,6 Prozent bei einem Dax-Schwergewicht ist allerdings auch in diesen Zeiten etwas Außergewöhnliches, ja Historisches. Wer das geschafft hat? Man muss in diesen Tagen nicht zweimal überlegen: Natürlich die VW-Aktie. 635 Euro war ein Papier des Wolfsburger Autobauers am Montag in der Spitze wert – drei Mal so viel wie am Freitag. Die Gegenbewegung zum Handelsschluss auf 520 Euro war ebenfalls heftig, ändert aber nichts an der Einzigartigkeit des Ereignisses. Im Gegenteil: Sie unterstreicht sie eher noch.

Im Dax führte das Kursspektakel bei VW zu einer abenteuerlichen Situation: Während 29 von 30 Dax-Werten im Minus notierten, beendete der Index den Tag mit einem Plus von 0,9 Prozent bei 4 334 Punkten. Zwischenzeitlich hatte die VW-Aktie den Dax sogar drei Prozent ins Plus gehievt. Verglichen mit anderen Indizes ist das Tagesergebnis außergewöhnlich. Hatte doch der Nikkei-Index in Japan, wo die Finanzkrise bisher in weit geringerem Maße eingeschlagen hat, 6,4 Prozent verloren. In Hongkong war der Hang Seng Index gar um fast 13 Prozent eingebrochen. Auch die anderen europäischen Indizes schlossen deutlich in der Verlustzone, während sich die Wall-Street-Barometer immerhin stabil hielten.

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Mit den Vorgaben von der Wall Street hat der leichte Anstieg des Dax 30 heute aber ausnahmsweise überhaupt nichts zu tun. Auch die Bezeichnung Dax 30 führt gnadenlos in die Irre. Will man sich ein realistisches Bild von der Stmmung am deutschen Aktienmarkt machen, muss man auf den "Dax 29" schauen – den Dax ohne die VW-Aktie. Denn das Papier des Wolfsburger Autobauers führt seit Wochen ein Eigenleben, das vom allgemeinen Börsentrend quasi täglich abweicht. Getrieben von Spekulationen und undurchsichtigen Optionsgeschäften schießt der VW-Kurs in die Höhe, wenn die anderen Dax-Werte unter die Räder geraten. Gleichsam brach die Aktie in der vergangenen Wochen zeitweise ein, obwohl es am Gesamtmarkt Erholungstendenzen gab.

Unter dem Strich können sich Dax-Anleger glücklich schätzen, dass es die VW-Aktie gibt. Denn der positive Trend des Schwergewichtes bewahrt den deutschen Leitindex bisher vor einem noch heftigeren Absturz. Die heutige Entwicklung sprengt allerdings alle Grenzen des Vorstellbaren. Während die VW-Aktie – getrieben von der Ankündigung, dass Porsche nach eigenen Angaben bereits fast 75 Prozent der Anteile hält – um unglaubliche 146 Prozent ansprang, lag K+S als zweitbester Dax-Wert bereits 1,4 Prozent im Minus.

Noch deutlicher wird das schiefe Bild, das der Dax vom Gesamtmarkt vermittelt, wenn man die Tagesgewinne und-verluste in Indexpunkte umrechnet: Beim aktuellen Indexgewicht von rund 13 Prozent entspricht der Kursanstieg um 146 Prozent bei VW 430 Dax-Zählern.

Zum Vergleich: Die hohen Verluste bei der Deutschen Postbank, deren Aktie um mehr als 24 Prozent einsackte, kostete den Dax gerade einmal knapp vier Punkte. Und auch das gewaltige Minus von 17 Prozent beim Mutterkonzern Deutsche Post schlug sich im Index mit einem Abschlag von lediglich 15 Zählern nieder.

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