20 Jahre DAX
Kommt Zeit, kommt Wandel

Seit 1988, dem Geburtsjahr des DAX, hat sich viel getan. Doch einge Dinge ändern sich nie. Das Börsenparkett einst und jetzt - wie sich Ort, Zeit und Frisuren der Händler verändert haben.

FRANKFURT. Pünktlich um 11.30 Uhr bricht Hektik auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse aus. Der Handel ist eröffnet. Makler wedeln mit handgeschriebenen Zetteln, gestikulieren aufgeregt, rufen nach ihren Laufburschen. Rennen, Schweiß, Gebrüll. Doch nur kurze Zeit später ist der Spuk wieder vorbei.

Im Jahr 1988, dem Geburtsjahr des Dax, dauert jeder Handelstag nur zwei Stunden. Schluss ist um 13.30 Uhr. Heute wird länger gehandelt, der Takt ist schneller. Auch das aufgeregte Treiben auf dem Parkett ist vorüber. Jeder Händler behält mindestens drei Bildschirme im Auge, hat aber kaum einen Blick für den Nebenmann.

Gewandelt hat sich der Handel in den 90er Jahren. Das Computerzeitalter hielt Einzug. Zuerst führte die Deutsche Börse im November 1997 das elektronische Handelssystem Xetra ein. Zettelwirtschaft und lautstarke Rufe verschwanden. Die kurzen Handelsszeiten wurden abgeschafft. Mit dem 1. Juli 1998, dem zehnten Geburtstag des Dax, begann der Handel stets um 8.30 Uhr und endete um 17 Uhr. Und der Dax wurde nicht mehr halbstündlich berechnet und verkündet wie noch zu Beginn, sondern jede Minute - seit Anfang 2006 sogar im Sekundentakt.

Das hat an der Spannung nichts geändert. Im Gegenteil. Das Interesse der Öffentlichkeit ist heute viel größer. Wie der Händler kann auch der Fernsehzuschauer das Börsengeschehen mittlerweile fast rund um die Uhr auf der Mattscheibe verfolgen. Die Dax-Berichterstattung im Stile einer Sportreportage gehört spätestens seit der Börsenhausse rund um das Jahr 2000 zum Alltag. Heute drängeln sich auf der Galerie des Handelssaals unzählige Kamerateams. Zur Einführung des Dax war der Fernsehsender Sat. 1 mit der "Telebörse" allein auf weiter Flur, launig und täglich zwischen 13 und 14 Uhr moderiert von Friedhelm Busch.

Mit dem wachsenden Aufgebot der Medien ist mancher Händler im Laufe der Zeit selbst ins Rampenlicht gerückt. So kennt den Dax mittlerweile jeder auch dank seines Gesichts, das ihm Dirk Müller, Kursmakler aus dem Badischen, verliehen hat. Als "Mister Dax" und "Dirk the Dax" genießt Müller internationale Berühmtheit. Der Kameraliebling erzählt seiner Fangemeinde mit einfachen Gesten mehr über die Börse als viele Charts. Gerne reißt Müller dann die Augen auf, legt die Stirn in Falten, wirft die Hände in die Luft - Kursrutsch, Dramatik. Müller hebt einen Daumen - Dax-Rekord, Freude. Müller lehnt sich im Stuhl zurück, bläst die Backen auf - Handelsschluss, Erleichterung.

Ein Sitte, die nach Handelsschluss in den Anfangsjahren des Dax noch üblich war, haben die Händler aufgeben müssen: Wer damals gute Geschäfte gemacht hatte, zog von der Börse zum Feiern in die umliegenden Gasthäuser - schon zur Mittagszeit.

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