23 Prozent Minus
Norwegens Ölfonds mit Milliardenverlust

Der norwegische Ölfonds hat in den vergangenen Jahren so schlecht abgeschnitten wie noch nie in seiner zehnjährigen Geschichte. Durch Einnahmen aus Öl- und Gasgeschäften stieg das Volumen des Fonds zwar weiter an. Das Aktienportfolio brachte Europas dem Fonds, der Europas wichtigster Aktieninvestor ist, aber empfindliche Verluste ein.

STOCKHOLM. Der norwegische Ölfonds hat 2008 den größten Verlust in seiner zwölfjährigen Geschichte gemacht. Wie die norwegische Zentralbank, die für die Verwaltung der Einnahmen aus dem staatlich kontrollierten Öl- und Gasgeschäft verantwortlich ist, gestern in Oslo mitteilte, verlor der Fonds im vergangenen Jahr 633 Mrd. Kronen (71 Mrd. Euro). Damit ging der Wert der Investitionen des weltweit drittgrößten Fonds um rund 23 Prozent zurück.

„Nach einer Reihe von guten Jahren hat uns die Entwicklung im vergangenen Jahr wieder dahin gebracht, wo wir einmal angefangen haben“, sagte Norwegens Zentralbankchef Svein Gjedrem. Alle Teile des Portfolios seien belastet worden. Seit 1996 sind bislang 2 140 Mrd. Kronen in den Fonds geflossen. Der Wert der Investitionen betrug Ende 2008 rund 2 280 Mrd. Kronen. Im vergangenen Jahr wurden 384 Mrd. Kronen aus den Einnahmen des Öl- und Gasgeschäfts in den Fonds neu eingezahlt, die sofort investiert wurden.

„Das vergangene Jahr war ein dramatisches Jahr. Wir sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden“, erklärte die norwegische Finanzministerin Kristin Halvorsen, die die Investitionsrichtlinien für den Fonds festlegt. Er darf nur in ausländische Aktien und festverzinsliche Papiere investieren, um eine Überhitzung der einheimischen Wirtschaft zu vermeiden. Ab diesem Jahr soll der Fonds außerdem in Immobilien investieren dürfen. Dem Fonds gehören mittlerweile knapp ein Prozent sämtlicher auf der Welt ausgegebenen Aktien. Er ist Europas größter Aktionär.

Mit den Mitteln des Fonds, der mittlerweile in "Staatlicher Pensionsfonds – Ausland" umbenannt wurde, sollen die Pensionen künftiger Generationen bezahlt werden. Wegen der schlechten Entwicklung im vergangenen Jahr will die Zentralbank die Zahl der externen Fondsmanager von 39 auf 12 reduzieren. Weltweit größter Staatsfonds ist die Abu Dhabi Investment Authority. Danach folg die staatliche Singapore Investment Corp.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%