ABX-Index
Das neue Krisenbarometer

Abseits der großen Indizes tummeln sich in den Nischen der Börsen weltweit noch zahlreiche kleinere Exemplare dieser Art. Unfreiwillig in den Mittelpunkt rückte dabei im Zuge der Kreditkrise der, bis dahin weitgehend unbekannte, ABX-Index. Experten sehen darin nun eine Art Krisenbarometer. Doch zu dessen Deutung gibt es unterschiedliche Standpunkte.

Als die schweizerische Großbank UBS vorige Woche Abschreibungen auf US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität (subprime) über weitere zehn Mrd. Dollar vorgenommen hat, hat dabei ein bislang kaum bekannter Kreditmarktindex eine Schlüsselrolle gespielt: Der sogenannte ABX-Index bildet die Entwicklung von Wertpapieren ab, die durch bonitätsschwache Hypothekendarlehen besichert sind.

Diese Entwicklung unterstreicht, welch wichtige Rolle dieser Index in der Subprime-Krise spielt. Sie wirft auch Fragen auf, ob der Markt die richtigen Signale über den Ernst der Lage bei den Hypothekendarlehen aussendet. Einige Bestandteile des ABX sind in diesem Jahr um bis zu 79 Prozent gefallen (s. Grafik). Einige Analysten sind allerdings der Meinung, dass die tatsächlichen Verluste vielleicht nicht so schwerwiegend sind, wie der Index nahelegt.

Morgan Stanley und Citigroup haben den Fall des ABX als einen Faktor für die gigantischen Abschreibungen der vergangenen Wochen angeführt. Die Ratingagenturen behalten ihn fest im Auge, und viele Hedge-Fonds haben das Barometer herangezogen, um gegen den Wohnungsmarkt zu wetten.

Der Index war vor zwei Jahren von der Londoner Firma Markit Group ins Leben gerufen worden und gilt als Messlatte für die Wertentwicklung von Körben von Subprime-Hypothekentiteln. Weil mit diesen Wertpapieren selbst kaum gehandelt wird, bestimmen Instrumente die Richtung des Index, die Credit-Default Swaps genannt und aktiver gehandelt werden. Die Bewertungen der Swaps basieren auf der Einschätzung der Investoren, wie groß das Ausfallrisiko bei den zugrunde liegenden Wertpapieren sein dürfte. Steigen die Ausfallrisiken, fällt der Index - und umgekehrt.

Einige Kritiker bemängeln, der ABX decke nur ein eng begrenztes Feld des Hypothekenmarktes ab und sei anfällig für Wetten auf eine Abwärtsbewegung, die ihn nach unten drücken. UBS-Chef Marcel Rohner hatte das Marktbarometer Ende Oktober noch als "extrem illiquide" abgetan, bevor er ihn dann doch noch als Wegweiser herangezogen hat. Die zunehmende Relevanz des ABX und dessen unterschiedliche Bewertung unterstreichen eine der größten Herausforderungen der Hypothekenkrise: Die Investoren, Banker, Wirtschaftsprüfer und Marktbeobachter haben nicht viele Werkzeuge an der Hand, mit denen sie dem undurchsichtigen Markt für Hypothekendarlehen täglich auf den Zahn fühlen können.

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