Achtköpfiges Gremium soll Nyse führen – Börsenaufsicht muss noch zustimmen
New Yorker Börse segnet historische Reform des Aufsichtsrats ab

Die Mitglieder der New York Stock Exchange (Nyse) haben gestern dem Reformplan von Interims-Börsenchef John Reed mit 98 % der Stimmen zugestimmt. Der Plan sieht vor, die Führung der Börse künftig in die Hände eines achtköpfigen Gremiums zu legen. Die Börse vollführt damit die stärkste Änderung ihrer Politik seit drei Jahrzehnten. Im Jahr 1972 wählte die Nyse erstmals einen Aufsichtsrat, bislang hat er 27 Mitglieder.

Bloomberg NEW York. Die Abstimmung markierte eine Abkehr von der Unternehmenspolitik von Reeds Vorgänger Richard Grasso, der im September wegen des Steits um seine hohen Vergütungen abtreten musste. Gleichzeitig war sie eine Abstimmung über Reeds Entscheidungen seit seinem Amtsantritt vor acht Wochen. „Niemand wollte sich gegen Reeds Plan stellen, weil wir nicht vorwärts kommen, solange der neue Aufsichtsrat nicht berufen ist“, berichtet Francis Maglio, dessen Familie zwei Sitze an der Nyse hat.

Mit der Einführung eines deutlich verkleinerten Aufsichtsrats versucht Reed, einen Kompromiss zwischen institutionellen Investoren und den Nyse-Mitgliedern zu finden. US-Pensionsfonds kritisieren, dass Reeds Reformpläne den Konflikt zwischen den Aufgaben der Nyse als Aufsichtsorgan und als Handelsplatz nicht lösen. Dem Aufsichtsrat soll ein beratender Ausschuss mit bis zu 25 Mitgliedern zur Seite stehen, in dem Nyse-Mitglieder, Wall-Street-Firmen, Investoren und börsennotierte Unternehmen vertreten sein sollen.

Bis Mitte Dezember will die US-Börsenaufsicht SEC, die Reeds Plan noch abändern kann, über die Vorschläge entscheiden. Der neue Aufsichtsrat muss sich unter anderem mit der Zukunft der Market Maker genannten Makler befassen, die das Herzstück des Auktionssystems der Nyse darstellen. Außerdem drängt die SEC auf Veränderung von Regeln, die der Nyse nach Auffassung von Kritikern einen unfairen Vorteil verschaffen.

Steigende Kosten, fallende Gewinne und eine Untersuchung möglicher Regelverstöße durch einige Händler haben den Nyse-Mitgliedern bereits vor Grassos Rücktritt zu schaffen gemacht. Institutionelle Investoren werben daher bei der SEC für weitere Veränderungen, betont Sean Harrigan, Präsident von Calpers, dem größten US-Pensionsfonds. „Unsere einzige Möglichkeit, den Plan zu beeinflussen, liegt bei der SEC“, sagte Harrigan kürzlich. In einem fünfseitigen Brief an die Nyse-Mitglieder hat Reed deutlich gemacht, dass er die Folgen aus Grassos Leitung der Nyse ausmerzen will. „Ein mit Insidern besetzter Aufsichtsrat ist nicht akzeptabel, nicht im allgemeinen und bestimmt nicht als Kontrollgremium unserer Aufsichtsfunktionen“, schrieb er. Trotzdem sind unter den von Reed für den neuen Aufsichtsrat nominierten Kandidaten drei Aufsichtsratsmitglieder von Unternehmen, die an der NYSE gehandelt werden. Das könnte für Interessenkonflikte sorgen.

Quelle: Handelsblatt

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