AKP-Wahlsieg
Das Wahlergebnis stützt die Anleihen

Der klare Wahlsieg der regierenden AKP in der Türkei ist auch für die türkischen Anleihen positiv. Entscheidend bleibt jedoch, ob die wiedergewählte Regierung die politischen und wirtschaftlichen Reformen weiter vorantreibt. Dann könnte langfristig auch das Rating steigen.

FRANKFURT. „Wir gehen davon aus, dass die Konvergenz-Story in der Türkei jetzt auch langfristig weitergeht; dies stützt die Bonds“, sagt Ece Ugurtas, Fondsmanagerin bei Baring Asset Management. Belastet werden türkische Anleihen aber durch die aktuelle Unsicherheit auf den Kreditmärkten, die mit der fundamentalen Lage der Schwellenländer nichts zu tun hat. Die Verwerfungen auf dem US-Immobilienmarkt für schwache Schuldner und die Verluste von mit den so genannten Subprime-Hypotheken lassen Anleger aber generell vor riskanteren Bonds zurückschrecken. Zuletzt stiegen die Risikoaufschläge auf türkische Euro-Anleihen im Vergleich zu Staatsbonds im Euro-Raum auf knapp 1,6 Prozentpunkte und damit den höchsten Stand seit Anfang Mai. Damals hatte der Streit um die Aufstellung eines Präsidentschaftskandidaten die Konflikte zwischen Regierung und Militär dramatisch zugespitzt.

Fondsmanagerin Urgutas erwartet aber, dass die wiedergewählte AKP unter Ministerpräsident Tayyip Erdogan jetzt einen Präsidentschaftskandidaten aufstellt, den auch die Opposition akzeptiert. Dies sollte die Spannungen mit dem Militär verringern. Die Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Fitch und Moody’s änderten ihre Bonitätseinstufungen nach dem Wahlergebnis zwar nicht, begrüßten es aber. „Die wiedergewählte Regierung wird die wirtschaftlichen und politischen Reformen weiter vorantreiben“, sagt Moody’s-Analystin Kristin Lindow. Dies könne die Verschuldung der Türkei senken, was sich langfristig positiv auf das Rating auswirken könne. Ähnlich äußerte sich S&P, wobei für die Ratingagenturen viel von der anstehenden Präsidentschaftswahl abhängt.

S&P, Fitch und Moody’s bewerten die Bonität der Türkei mit den Ratings „BB-“ beziehungsweise „Ba3“, was dem drittbesten Rating im spekulativen Bereich Non-Investmentgrade entspricht.

Im Schnitt bringen auf Euro lautende Anleihen der Türkei derzeit 5,9 Prozent Rendite. Eine höhere Effektivverzinsung bieten – angesichts des hohen Zinsniveaus und der Inflationsraten – Bonds in türkischen Lira. So wirft zum Beispiel eine in zweieinhalb Jahren fällige Lira-Anleihe rund 17 Prozent Rendite ab. Die erwarteten Leitzinssenkungen in der Türkei dürften die türkischen Bonds weiter stützen.

Käufe von Fremdwährungsanleihen sind aber wegen der großen Schwankungen am Devisenmarkt riskant. Währungsverluste können die zusätzlichen Zinserträge schnell aufzehren. In diesem Jahr hat die Lira im Vergleich zum Euro zwar knapp sechs Prozent zugelegt, im vergangenen Jahr verlor sie aber mehr als 14,5 Prozent.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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