Aktien
Anleger misstrauen der Aktienrally

Der Dax strebt in Richtung seines Jahreshochs. Doch schon bald dürfte den Aktienmärkten die Puste ausgehen. Das glauben zumindest die Anleger. Für das kommende Jahr rechnen sie mit einer langatmigen Seitwärtsbewegung. Das Gute daran: Solch ein Szenario birgt immenses Überraschungspotenzial - das lehrt die Geschichte.
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DÜSSELDORF. Keine Luft nach oben billigen private und institutionelle Anleger den europäischen Börsen zu. Die große Mehrheit sieht die Aktienmärkte im Zwiespalt zwischen überschießender Liquidität und Zweifeln am Zustand der Weltkonjunktur. Aus solch einer Patt-Situation leiten die Investoren eine lange Seitwärtsbewegung ab. Tatsächlich birgt solch ein Szenario aber immenses Überraschungspotenzial - das lehrt die Geschichte.

Befragt nach ihrer Einschätzung für die nächsten vier Quartale, prognostizieren die Anleger, dass der wichtigste Börsenindex in der Euro-Zone, der Euro Stoxx 50, bis zum Herbst 2010 weitgehend ohne Schwankungen auf dem gleichen Stand verharren wird. Das belegt eine Umfrage des Frankfurter Researchinstituts Sentix in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt unter mehr als 3 100 europäischen Investoren, darunter knapp 700 Finanzprofis. 80 Prozent der Befragten können sich mit Blick auf ein Jahr kein Niveau von mehr als 3 192 und weniger als 2 508 Punkten vorstellen. Das entspricht gegenüber dem aktuellen Stand von knapp 2 850 Punkten einer Spanne von gut zehn Prozent nach oben und unten.

Die Skepsis der Anleger ist größer als die der notorisch optimistischen Bankanalysten. 18 deutsche Finanzinstitute sehen nach einer aktuellen Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) den Stoxx 50 mit Blick auf drei Monate um vier, auf Sicht von sechs Monaten sogar um sechs Prozent steigen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in den vergangenen Jahrzehnten fast alle Bankhäuser in allen Marktphasen steigende Börsen prognostizierten.

Hintergrund für die verhaltene Einschätzung der Anleger ist die fundamentale Ausgangsposition. Die Mehrheit hegt Zweifel an der beginnenden Konjunkturerholung. Steigenden Frühindikatoren folgen widersprüchliche Signale, ob sich die Wirtschaft und damit auch die Firmengewinne tatsächlich erholen. "Ich sehe eine wachsende Lücke zwischen der Entwicklung an den Börsen und der schwachen Realwirtschaft", urteilt der New Yorker Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini. Er fürchtet eine scharfe Korrektur, wenn die Märkte spüren, dass eine schnelle Konjunkturerholung ausbleibt.

Dieser Ungewissheit steht viel Liquidität gegenüber. Allein US-Amerikaner parken derzeit rund 3,6 Bill. Dollar auf Geldmarktkonten, die nur 0,5 Prozent Zinsen pro Jahr abwerfen. Darüber hinaus drängt viel Geld in den Markt, das sich Banken bei den Notenbanken beinahe zinslos leihen - Monats- und Halbjahresgeld gibt es für weniger als 0,5 Prozent Zinsen - und an den Anleihe- und Aktienmärkten anlegen.

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