Aktien-Crash
Das Risiko steigt quer durch alle Branchen

Das Risiko einer Aktienanlage ist massiv gestiegen. Das zeigt eine Analyse von Handelsblatt und EDG. Einzelne Dax-Aktien stehen an der Grenze zur "spekulativen" Anlage. Aber auch am Goldmarkt wachsen die Gefahren.

DüsseldorfSeit sechs Wochen geht es an den Aktienmärkten rasant abwärts. Milliardenwerte sind im Crash vernichtet worden - zumindest auf dem Papier. Allein im Deutschen Aktienindex Dax sank der Börsenwert der 30 Mitglieder seit Ende Juli um fast 200 Milliarden Euro. Und die Gefahr weiterer Rückschläge ist hoch.

"Die Nervosität an den Aktienmärkten hält unserer Meinung nach an", sagt Wolfgang Leoni, Vorstand und Chef-Anlagestratege beim Bankhaus Sal. Oppenheim. "Obwohl die neuesten US-Konjunkturdaten im Einklang mit den Erwartungen standen und sie teilweise sogar übertrafen, führte dies nicht zu einer Marktberuhigung." Dies sei ein deutliches Zeichen, dass die hohe Volatilität noch eine Weile anhalten werde, glaubt der Experte. Aufgrund der "fragilen wirtschaftlichen Gesamtsituation" sei es noch zu früh, um die Aktienquote im Anlageportfolio wieder aufzustocken.

Dass die Kursrisiken für Anleger gestiegen sind, zeigt auch das Risiko-Radar, das Handelsblatt und der Finanzdienstleister EDG regelmäßig veröffentlichen. Im Zuge der massiven Kursverluste und Schwankungen an der Börse haben sich die Werte für die Risikokennziffer "Value at Risk", auf der die Analyse beruht, quer durch alle Branchen deutlich erhöht. Das Konzept des Value at Risk wird in der Finanzwelt flächendeckend verwendet. Die Kennziffer gibt den maximal kalkulierten Verlust einer Anlage in einem bestimmten Zeitraum an.

In der EDG-Analyse bedeutet ein Value at Risk von 1000 Euro, dass Anleger bei einer Investition von 10.0Das 00 Euro mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent in den nächsten zehn Tagen höchstens 1000 Euro verlieren werden.

Auf Basis des Value at Risk werden die Anlagen in Risikoklassen von eins für "sicherheitsorientiert" bis fünf für "spekulativ" eingestuft. Die Dax-Aktien fallen nach wie vor etwa jeweils zur Hälfte in die Risikoklassen drei und vier. Lediglich BASF ist in die schlechtere Kategorie gerutscht. Das gleiche Schicksal droht in Kürze aber auch Siemens. Die Commerzbank und Infineon stehen sogar kurz vor dem Absturz auf spekulativen Status.

Der Dax selbst fällt nach wie vor in die mittlere Risikokategorie. Zuletzt ist das Risiko einer Dax-Anlage aber deutlich angestiegen, stärker auch als das der meisten Einzelwerte. "Das Dax-Risiko war vor dem Kursrutsch aufgrund der anhaltenden Kurserholung in den letzten zwei Jahren auf einem niedrigen Niveau, so dass es jetzt zu einem vergleichsweise hohen Risikoanstieg kommt." Größer als im Dax war der Gefahrenzuwachs nur bei Versorgern und bei Stahlaktien, die stark unter der Konjunkturangst leiden.

In ganz anderen Dimensionen bewegt sich Gold. Das Edelmetall, für viele Anleger Inbegriff von Sicherheit, hat nach wie vor den niedrigsten Risikowert aller untersuchten Anlagen. Doch auch hier wachsen die Schwankungen und damit die Gefahren. Mit einem Value at Risk von 745 droht Gold erstmals seit Februar der Sturz in Risikoklasse drei.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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