Aktienanalyse
Analysten auf dem Rückzug

In der Finanzkrise sinkt auch das Informationsangebot für Anleger. Weltweit decken Banken immer weniger Unternehmen ab: Grund für die rückläufigen Analystenberichte sind die Sparmaßnahmen der Banken, denen viele Analystenstellen zum Opfer gefallen sind. Neben den Anlegern leiden kleine Firmen besonders darunter.

NEW YORK/FRANKFURT. Als Folge der Finanzkrise spüren Unternehmen ein immer geringeres Interesse von Analysten. Besonders dramatisch ist die Lage in den USA: Im vergangenen halben Jahr stellten Analysten dort offiziell bei 2 200 Unternehmen die Bewertungen ein. Das hat der Datendienstleister Fact Set Research Systems ermittelt. Besonders betroffen sind kleinere Unternehmen. Ein Viertel der sogenannten Small Caps in den USA wird inzwischen nicht mehr von Analysten untersucht.

„Auch in Deutschland ist die Zahl der analysierten Aktien in diesem Jahr deutlich gesunken“, sagt Stuart McLean, Europa-Chef des US-Analysehauses Thomson Reuters Starmine. Hierzulande klagen ebenfalls vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen über das schwindende Interesse der Kapitalmarktexperten. Fehlende Analystenreports führen meist zu geringerer Beachtung der Aktie durch Investoren und belasten die Kursentwicklung der Aktien. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie mehrerer US-Universitäten.

Grund für die rückläufigen Analystenberichte sind die Sparmaßnahmen der Banken, denen viele Analystenstellen zum Opfer gefallen sind. So hat sich die Zahl der Aktienexperten bei deutschen Wertpapierhäusern bereits 2008 um rund ein Zehntel verringert, in diesem Jahr dürfte sich der Trend fortsetzen. Noch drastischer ist die Entwicklung in London. Dort gibt es nach McLeans Einschätzung bereits rund 30 Prozent weniger Analysten als vor Ausbruch der Krise. Auch dort dürfte dieser Trend mit Fortdauer der Krise anhalten, glaubt McLean.

Beispiele finden sich inzwischen etliche. So hat die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank dazu geführt, dass die Analyse von insgesamt 617 Aktien durch Dresdner Kleinwort eingestellt wird. Übrig bleiben knapp 150 Aktien, die die Commerzbank beobachtet hat. Bei 85 von ihnen gab es Überlappungen mit dem neuen Partner, so dass zumindest ein Teil davon für die Kunden erhalten bleibt. Die BayernLB hat ihre Analyse von Einzelaktien für die Privatkunden der Sparkassen eingestellt. Stattdessen wird die Analyse von Einzeltiteln wie auch bei der genossenschaftlichen WGZ Bank beim unabhängigen Analysehaus Independent Research zugekauft. Die BHF Bank will zwar weiter auch einzelne Aktien analysieren, erklärte aber auf Anfrage, dass sie eine Verkleinerung des Analystenstabes nicht ausschließt.

In den USA gingen Analystenstellen durch die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers und Übernahmen von Bear Stearns und Merrill Lynch verloren. Dazu streichen auch andere Banken Analystenstellen. Dem fallen vereinzelt auch große Unternehmen zum Opfer. So deckt zum Beispiel Goldman Sachs nicht mehr den US-Konzern Alcoa ab.

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