Aktienkriminalität
Österreich will kein Betrüger-Paradies mehr sein

Das kleine Österreich ist zum Tummelplatz für Finanzhaie und fragwürdige Anlageunternehmen geworden. Die Finanzaufsicht des Landes schlägt deshalb Alarm. Laut der Behörde sei in diesem Jahr in der Alpenrepublik mit einem Schaden in Höhe von 750 Millionen Euro zu rechnen. Besonders deutsche und angelsächsische Straftäter sind in Österreich aktiv.
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WIEN. Die Kriminalität im Finanzsektor entwickle sich zu einer zunehmenden Belastung für die Anlagebranche. In Jahr 2010 hat die österreichische Finanzmarktaufsicht knapp 400 Ermittlungsverfahren eingeleitet, vor vier Jahren seien es gerade einmal 70 gewesen.

Österreich ist besonders für Anlagebetrüger aus dem angelsächsischen Raum und aus Deutschland zum Operationsgebiet geworden, sagte der Vorstand der österreichischen Finanzaufsicht (FMA), Kurt Pribil am Dienstag in Wien. In den vergangenen zwei Jahren hatten bislang vor allem hausgemachte Finanzskandale - etwa um die Meinl-Bank, Immofinanz und Hypo Alpe Adria - die Alpenrepublik erschüttert.

Nur ein "Mindestwert"

Der Betrugsschaden von etwa 750 Millionen Euro ist nach Angaben der FMA noch konservativ geschätzt und nur ein "Mindestwert", betonte Vorstandsmitglied Pribil. Betroffene würden Vermögensschäden vergleichsweise selten melden. Der Grund: Häufig genug handle es sich um unversteuertes Schwarzgeld, das bei Anlagebetrügern landet.

Um trickreichen Anlagebetrügern das Handwerk zu legen, will die österreichische Finanzaufsicht künftig intensiver mit anderen europäischen Kontrollbehörden zusammenarbeiten, allen voran mit der deutschen BaFin. "Die Zusammenarbeit ist schon jetzt recht gut", betonte FMA-Chef Pribil. Anlagebetrügern drohten zudem härtere Zeiten, wenn die neue europäische Wertpapieraufsicht ESMA in Paris ihre Arbeit aufgenommen habe. Aus österreichischer Sicht bleibt allerdings ein Problem: Betrügern, die von außerhalb Europas etwa über das Internet agieren, sei auch in Zukunft nicht so leicht beizukommen.



Zweifelhafte deutsche Anlageunternehmen waren nach Angaben der FMA zuletzt vor allem in Westösterreich (Tirol, Vorarlberg) nahe der Grenze zur Bundesrepublik aktiv. Die FMA warnt vor Betrügern, die dort mit dem sogenannten "Scalping" ihr Unwesen treiben. Anlegern werden dabei die Aktien von kleinen, börsennotierten Unternehmen angeboten; meist stammen sie von weit entfernten, eher exotischen Handelsplätzen.

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