Aktienmärkte
Absturz auf Raten

Dem deutschen Aktienmarkt stehen schwere Zeiten bevor. Wirtschafts- und Unternehmensdaten gibt es kaum – und wenn, fallen sie meist schlecht aus. Hinzu kommt der Rekord beim Ölpreis. Jeder US-Dollar mehr pro Barrel erhöht den Druck auf Aktien. Ein „Salami-Absturz“ droht.

HB FRANKFURT. "Wahrscheinlich müssen wir schon kommende oder nächste Woche mit 160 bis 170  Dollar pro Fass rechnen", sagte ein Händler. Für Aktienkäufe fehle damit jedes Argument.

Zudem enttäuschen auch die Signale aus der Realwirtschaft: So überraschten Sony Ericsson am Freitag mit einer Gewinnwarnung für den Handybereich. Damit mehren sich die Zeichen, dass eine Markt-Unterstützung durch den Konsum nicht mehr zu erwarten ist. Dies hatte bereits der schwache GfK-Konsumklimaindex avisiert. Aber auch die reinen Konjunktur-Frühindikatoren der Wirtschaft sehen nunmehr düster aus: So fiel das Geschäftsklima der Eurozone im Juni auf den tiefsten Stand seit November 2005. Zudem brachen Industrie- und Verbrauchervertrauen regelrecht ein.

Im Fokus werden daher kommende Woche die zahlreichen Preis- und Konjunkturdaten stehen. Vor allem am Montag die erste Schätzung der Verbraucherpreise in Europa im Juni. Analysten befürchten hier "eine Vier...oder mehr" vor dem Komma. Zusammen mit der als sicher geltenden Zinserhöhung durch die EZB am Donnerstag um 25 Basispunkte dürften weitere Inflations- und Zinserhöhungssorgen den Markt drücken.

Auch bei den einzelnen Aktienbranchen sieht es kaum besser aus: Bei den Banken und Finanzwerten könnte der Hang zum gegenseitigen "Abschlachten" weiter anhalten. So kam es im Wochenverlauf zu einer wahren Verkaufswelle bei den globalen Finanzwerten, nachdem Goldman Sachs die US-Handelshäuser heruntergestuft hatte. Citigroup, Merrill Lynch und andere reagierten darauf ebenfalls mit Abstufungen anderer Institute oder warnten vor erneutem Abschreibungsbedarf bei der Konkurrenz.

So hieß es von der Citigroup zur bislang relativ unbeschadeten Deutschen Bank, dass Investoren, Regulierungsbehörde und Rating-Agenturen das Institut in Richtung einer Kapitalerhöhung drängen werden. Zudem überraschte die belgisch-niederländische Fortis mit einer unangekündigten Kapitalerhöhung. "So etwas erzeugt massive Vertrauensverluste", sagte ein Stratege.

Besondere Aufmerksamkeit in dieser Abstufungsrunde wurde jedoch der Studie von Goldman Sachs zugemessen. Dies sei der einzige US-Broker, der die Kreditkrise mit einem blauen Auge überstanden habe. "Dadurch werden sie als besonders einflussreich gesehen", so der Stratege. Bevor sich die Unruhe in diesem Sektor nicht legt, dürfte sich auch der Gesamtmarkt nicht mehr erholen.

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