Aktienmärkte im Griff der Liquiditätskrise
Dax-Ausblick: Angst vor Rezession

Erst die Finanzkrise, nun Sorgen vor einer Abkühlung der Konjunktur – die Vorgaben für die neue Börsenwoche sind trübe wie das Novemberwetter. Einige Stimmen warnen bereits vor einer Rezession in den USA. Doch andere wittern erste Einstiegschancen – Insider, die es wissen müssen.

HB FRANKFURT. Einmal mehr dürfte die Entwicklung an den US-Börsen darüber entscheiden, ob sich Investoren am Ende der neuen Woche über Kursgewinne werden freuen können. "Wir werden uns mehr denn je an der Wall Street orientieren“, prognostizierte LBBW -Analyst Michael Köhler. Allerdings sind Experten skeptisch, ob von den zahlreichen zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten positive Impulse auf den deutschen Aktienmarkt ausgehen werden. Die Furcht vor einer Verlangsamung des US-Wachstums belastete die Märkte bereits in der ablaufenden Handelswoche, in der der Dax nach starken Ausschlägen 0,3 Prozent auf rund 7 590 Punkte nachgab. Solange in der weltgrößten Volkswirtschaft keine Rezession droht, rechnen zumindest die Analysten der Commerzbank allerdings nicht mit einem Abgleiten des Dax unter die Marke von 7 500 Punkten.

Die Aktienmärkte bleiben aber fest im Griff der weltweiten Liquiditätskrise. Genau genommen handelt es sich nicht um einen Mangel an Liquidität, eher um ein Zuviel. Erst Alan Greenspan und danach Ben Bernanke haben viel getan, um die Finanzmärkte mit billigem Geld zu versorgen. Wer nur einen geringen Zins für Schulden zahlen muss, der greift freudig zu. Für ein zweites Auto, einen dritten Flatscreen oder ein neues, großes Haus. Nur, wenn der Zins wieder steigt, dann wird es eng. Dann platzt die Blase.

Neu ist all dies nicht. Seit Juli schlagen sich die Märkte mit Gewinnwarnungen aus dem Finanzsektor herum. Banken, Hypothekenfinanziers, Versicherer, alle scheint es zu treffen, und die Gerüchte und Spekulationen werden nicht selten von den Fakten noch übertroffen. Erst trocknete der Interbankenhandel mit kurzfristigem Geld aus, dann wurde es bei den mittleren Laufzeiten eng, und nun hat es sogar das Geschäft mit den als quasi risikofrei geltenden staatlichen Pfandbriefen erwischt. Wo klemmt es als nächstes, lautet die Frage des Tages.

Dabei kann niemand sagen, er habe es nicht gewusst oder wenigstens geahnt. Schon zu Anfang der Krise hieß es in den Kommentaren vieler Volkswirte, Analysten und Strategen, dass sich das Debakel über Monate hinziehen dürfte – und die Peso-Krise und das LTCM -Desaster in den Schatten stellen könnte. Das wollte aber angesichts einer nie zuvor dagewesenen Dax-Rally von 3 600 auf über 8 000 Zähler in nur drei Jahren niemand hören. Stelle dich nicht gegen den Trend, lautet eine alte Börsenweisheit. Und der zeigte lange und steil nach oben.

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