Aktienmarkt
Ist das Börsenbeben vorüber?

Den Dax-Konzernen brechen die Gewinne weg. Die Wirtschaft steuert auf eine Rezession zu. Doch nach Tagen der Panik schöpfen die Investoren wieder Mut. Viele spekulieren bereits auf die Zeit nach der Krise.
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DÜSSELDORF. Die Flut an Nachrichten über Gewinneinbrüche und Ertragswarnungen hätte gestern kaum größer sein können. Dennoch ging es an der Börse bergauf. Während die Firmenbilanzen weit und breit kein Ende des Abschwungs der deutschen Wirtschaft erkennen lassen, sehen Experten zumindest für die Börsen deutliche Entspannungssignale. Denn die Investoren ließen sich gestern erstmals seit vielen Monaten von negativen Nachrichten nicht mehr schocken.

Europas größter Chemiekonzern, BASF, und der Reifenspezialist Continental präsentierten ihren Anlegern am Donnerstag Dreimonatsergebnisse, wie sie schlechter kaum hätten ausfallen können. Umsätze und Gewinne brechen ein, die Firmen blicken düster auf 2009 und kassieren obendrein auch noch ihre Ziele für das laufende Jahr ein. Die Neuaufträge sinken so stark, dass die eigentlich sicher geglaubte Ernte für 2008 weit dünner ausfällt als im Frühherbst noch gedacht. Der Lastwagenhersteller MAN musste gestern eingestehen, dass sich die Zahl neuer LKW-Aufträge glatt halbierte. Der einstige Vorteil, im Ursprungsland der Krise, den USA, nicht vertreten zu sein, fällt weg, weil jetzt die Neuaufträge in allen Winkeln der Welt wegbrechen.

Doch die Börsen ignorierten solch schlechte Nachrichten. Die MAN-Aktie gewann sechs Prozent an Wert. Lösten bis Anfang der Woche selbst vorsichtige Hinweise auf möglicherweise schlechtere Geschäfte prozentual zweistellige Kursverluste aus, so steigen nun die Notierungen der gestrigen Unheilsbringer.

"Anleger rechneten mit schlimmen Nachrichten. Nun freuen sie sich, dass es nicht die allerschlimmsten sind", sagt Thomas Körfgen, Leiter des Aktienfondsmanagements der SEB Invest. Angesichts der Finanzkrise und düsterer Konjunkturperspektiven erwartete ohnehin niemand mehr, dass die Unternehmen optimistisch auf 2009 blickten. Die Konsequenz: Wer auch nur einen Funken Hoffnung weckte, wie BASF mit seiner konstanten Dividende im nächsten Frühjahr, erntete Vertrauen. Zwar verzerrt der VW-Effekt immer noch die Kurse der übrigen 29 Dax-Werte. Zum Wochenbeginn waren viele Investoren, die in den Deutschen Aktienindex (Dax) investieren, zum Kauf der teuren VW-Aktie gezwungen, weil diese auf Grund ihrer Kursexplosion ein immer stärkeres Gewicht im Dax bekam. Es stieg bis auf 30 Prozent. Um sich das nötige Geld für die wertvollen VW-Aktien zu beschaffen, verkauften Fonds notgedrungen die übrigen Dax-Werte, so dass diese am Montag und Dienstag gegen den weltweiten Trend allesamt kräftig an Wert verloren. Jetzt aber kehrt sich der Trend um, weil der Börsenbetreiber das Gewicht der VW-Aktie auf zehn Prozent kappen will. Die Investoren können also die überteuerten VW-Aktien wieder verkaufen und sich mit den übrigen Werten wieder eindecken.

Doch abseits der beispiellosen VW-Kapriolen bleibt auffällig, dass ausgerechnet die Aktien der gestrigen Unheilsbringer besonders kräftig nach oben kletterten. Metro gewann 15 Prozent, Conti sechs und die Deutsche Bank gar 18 Prozent an Wert.

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