Aktienrückkäufe
Welche Unternehmen ihre Aktionäre verwöhnen

Als wüssten die Börsenkonzerne nicht wohin mit ihrem Geld, kaufen sie in großem Stil eigene Aktien zurück. Die Aktionäre finden das normalerweise großartig; allerdings hat die Strategie mindestens einen Haken.
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FrankfurtFür Apple ist es ein besonderer Schritt in seiner Geschichte: Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt kauft der erfolgsverwöhnte Computerkonzern wieder eigene Aktien zurück. Ab sofort und für insgesamt zehn Milliarden Dollar (7,7 Mrd Euro). Und Apple ist nicht allein. In den USA haben in diesem Jahr bereits die Hälfte der 30 Dow-Jones-Titel Aktienrückkäufe angekündigt oder sind schon am Markt unterwegs.

Wenn ein börsennotiertes Unternehmen viel Geld in der Kasse hat, kann es zum Beispiel die Dividende erhöhen oder einen Konkurrenten übernehmen. Doch wenn solche Möglichkeiten bereits erschöpft sind oder gerade nicht infrage kommen, bietet sich als Alternative an, eigene Aktien zu erwerben - das Unternehmen gehört dann sozusagen zu einem Teil sich selbst. Das freut die Anleger, da Aktienrückkäufe meistens zu steigenden Kursen führen

In Deutschland haben sich die meisten großen Konzerne noch nicht aus der Deckung gewagt - viele behalten das Geld lieber im Haus. Aus dem Dax, der ersten deutschen Börsenliga, ist bisher nur Siemens im großen Stil aktiv. Das könnte sich allerdings bald ändern. In den vergangenen 15 Jahre war laut einer Studie der Deutschen Bank in Deutschland der Oktober der beliebteste Monat, um Aktienrückkäufe anzukündigen.

Die Experten haben auch belegt, dass sich Rückkäufe größtenteils positiv auf den Kurs auswirken. Nach Einschätzung von Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank, reicht gerade in ruhigeren Zeiten wie dem Herbst schon die bloße Ankündigung, um die Kurse zu treiben: „In umsatzschwachen Phasen kann schon der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Vulkan zum Ausbruch bringen.“ Das Unternehmen hätte mit dem Kursanstieg bereits ein Ziel eines Aktienrückkaufs erreicht.

Der Schritt bietet aber noch ganz andere Vorteile: „Angesichts steigender Kurse bleiben Unternehmen oft auch unangenehme Fragen über das laufende Geschäftsjahr erspart“, schildert Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade einen Nebeneffekt bei der nächsten Bilanzvorlage. Die Konzerne können sich zudem offen halten, was sie mit den Aktien machen. Damit können zum Beispiel Mitarbeiter bezahlt werden. Oder - was die Kurse vor allem treibt: Das Unternehmen kann die Aktien einziehen, also buchstäblich vernichten. Das steigert den Gewinn je Aktie und macht das Papier dann für Investoren interessanter.

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  • Aktienrückkaufprogramme haben eine wirtschaftliche Begründung wenn die Papiere unter Bchwert notieren und der Konzern liquide ist.

    Dann steigt dadurch der Buchwert je Aktie und an den ist mittefristig der Gewinn je Aktie gekoppelt.

    Berkshire Hathaway verfolgt diesen Ansatz.

    Werden eigene Aktien weit über Buchwert gekauft führt dies zu einem kurzzeitigen Anstieg des Kurses und anschliessend zu einem Kursverfall der weit über dem Anstieg liegt da so der Buchwert pro Aktie fällt.

    Kein Familienuternehmen der Welt macht so etwas, hier handelt es sich um "legalen" Diebstahl von Mangern am Unternehmen die sich schamlos am Eigenkapital der Firma bedienen.

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