Aktionäre klagen
Anleger erhöhen Druck auf General Motors

Der krisengeschüttelte Autokonzern General Motors sieht sich wegen seiner Bilanzierungsfehler mit ersten Klagen von Privatanlegern konfrontiert.

hz/je PORTLAND/FRANKFURT. Eine US-Anwaltskanzlei hat nach eigenen Angaben im Namen mehrerer Anteilseigner eine Sammelklage gegen den weltgrößten Autohersteller eingereicht. Die nachträgliche Korrektur der Geschäftsberichte hat für den GM damit ein gerichtliches Nachspiel.

GM hatte vor knapp zwei Wochen überraschend eingeräumt, die Jahresergebnisse 2001 bis 2004 sowie die Quartalsergebnisse 2005 zu hoch angesetzt zu haben. Der Konzern hat deshalb die Zahlen für 2001 sowie das zweite Quartal dieses Jahres stark nach unten geschraubt. Dieser Schritt hat den Kursverfall der GM-Aktie beschleunigt und das Ansehen des Managements ramponiert.

Die US-Börsenaufsicht hatte erst vor wenigen Wochen eine Sonderprüfung der GM-Bilanzen eingeleitet. Der Konzern steckt zurzeit in der größten Krise seit seiner Beinahe-Pleite im Jahr 1991. Sinkende Absatzzahlen trotz ruinöser Rabattschlachten einerseits sowie steigende Materialkosten und Soziallasten haben das Unternehmen in die Knie gezwungen. Die nun eingereichte Klage richtet sich neben dem Unternehmen auch gegen GM-Boss Rick Wagoner selbst sowie gegen Finanzchef John Devine. Beide GM-Spitzenmanager waren für die Abschlüsse verantwortlich, deren ausgewiesener Gewinn nun deutlich geringer ausfällt als ursprünglich angegeben.

Die Klage ist eine weitere schlechte Nachricht für Wagoner, der Anfang der Woche den Sparkurs des Konzerns deutlich verschärfte. Der weltgrößte Autokonzern streicht in seinem verlustreichen Nordamerika-Geschäft nun innerhalb der nächsten drei Jahre mit 30 000 Stellen rund jeden sechsten Arbeitsplatz. Damit sollen nach den jüngsten Milliarden-Verlusten 5 000 Jobs mehr wegfallen als noch im Juni geplant. Zwölf Produktions- und Service-Standorte in den USA und Kanada werden geschlossen. Investoren sind allerdings skeptisch, ob die eingeleiteten Schritte ausreichen werden. Die Börse zeigte sich gestern nicht überzeugt und reagierte mit einem Kursabschlag der Aktie. GM hat in diesem Jahr bereits einen Verlust von annähernd vier Milliarden Dollar aufgetürmt.

Um die Löcher zu stopfen, will Wagoner eine Mehrheitsbeteiligung an der hochprofitablen Finanztochter GMAC verkaufen. Doch die Suche nach einem Investor ist schwieriger als gedacht, wie der GM-Boss inzwischen einräumt. Es sei „alles andere als sicher, dass ein Verkauf von GMAC eine abgemachte Sache ist“, räumte Wagoner ein.

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