Aktionärsschützer fordern „saubere Trennung“ von Testat und Beratung
Kritik an Neuregelungen für die Prüfer

Nach den jüngsten Wirtschaftsskandalen will die Bundesregierung die Unternehmensabschlüsse einer besseren Prüfung unterwerfen und die Rolle der Wirtschaftsprüfer stärken. Aktionärsschützern und mittelständischen Wirtschaftsprüfern gehen die Regelungen aber nicht weit genug.

DÜSSELDORF. Insbesondere die Trennung von Prüfung und Beratung müsse noch strikter sein. Denn die Abschlussprüfer dürfen, so die Kritik, weiterhin beim selben Unternehmen auch beraten, sofern sich die Beratung nicht wesentlich gestaltend auf den Abschluss auswirkt. Zudem dürfen sie börsennotierte Unternehmen auch weiterhin außergerichtlich vertreten.

Damit geht der deutsche Gesetzgeber nicht so weit wie der amerikanische, der mit dem Sarbanes-Oxley-Act jede Rechts- und Expertenberatung ausschließt, auch dann, wenn sie nicht in Verbindung mit der Abschlussprüfung steht. Aktionärsschützer und mittlere Prüfungsgesellschaften befürworten diese strengere Form. „Zumindest für die börsennotierten Unternehmen wäre im Sinne der Aktionäre eine saubere Trennung wünschenswert gewesen“, sagt Harald Petersen, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) findet die deutsche Regelung aber richtig. Ein generelles Beratungsverbot würde sich ungünstig auf die Prüfungsqualität auswirken, sagte Vorstandssprecher Klaus-Peter Naumann dem Handelsblatt.

Dagegen fordert Georg Wengert, Wirtschaftsprüfer der Wengert AG, eine grundsätzliche Trennung von Prüfung und Beratung bei allen Abschlussprüfungen, die mit dem gesetzlichen Bestätigungsvermerk eines Wirtschaftsprüfers enden.

Auch die Unternehmen selbst befürworten vielfach eine Trennung von Prüfung und Beratung. In einer Handelsblatt-Umfrage unter 1 200 Gesellschaften meinten 42 %, dass eine Trennung von Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung das Image der Wirtschaftsprüfer verbessern würde. Das sehen viele Wirtschaftsprüfer, insbesondere die kleineren Prüfungsgesellschaften, genauso. Sie hoffen auf neue Aufträge, denn bei einem strikten Verbot gehen sie davon aus, dass die betreffenden Unternehmen eine zweite Prüfungsgesellschaft für das Beratungsgeschäft ins Haus holen. Diese Hoffnung sei mit der entschärften Version des Beratungsverbotes enttäuscht worden, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

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