Algo-Trading
Computer im Börsenhandel auf dem Vormarsch

Menschliche Händler an der Börse bekommen immer heftigere Konkurrenz durch Maschinen. Das verändert die Handelshäuser. Zentral beim sogenannten Algo-Trading sind die zugrunde liegenden quantitativen Modelle, die wie Geheimnisse gehütet werden. Doch ganz ohne Menschen geht es noch immer nicht.

DÜSSELDORF. Als der Dax vergangene Woche unter 4 000 Punkte fiel, ging es danach rapide abwärts: Innerhalb von sieben Minuten um fast 50 Punkte. Vor Eröffnung der US-Börsen hatte der deutsche Leitindex gut anderthalb Prozent im Plus gelegen, rund zweieinhalb Stunden später schloss er mit zwei Prozent im Minus. Das weckte Erinnerungen an das Jahr 1987, als sogenannte Stop-Loss-Maschinen den Crash beschleunigten. Schuld sollen auch diesmal automatisierte Handelsprogramme sein. "Ich bin überzeugt davon, dass Trading-Programme in Phasen wie in der vergangenen Woche Schwankungen noch beschleunigen können", sagt Karl Fickel, Fondsmanager bei der auf traditionelle Fundamentalanalyse spezialisierten Fondsgesellschaft Lupus Alpha.

Zunehmend werden Wertpapieraufträge vollständig im Computer generiert. Der Anteil des sogenannten Algo-Tradings am Handel der Deutschen Börse hat sich innerhalb von fünf Jahren verdreifacht. 2008 erreichte er 43 Prozent des Handelsvolumens. "Die Maschine ist schneller, präziser, leistungsfähiger", begründet das Michael Krogmann, der die Abteilung Cash Market Development der Deutschen Börse leitet. Der Computer reagiere innerhalb von Millisekunden auf Handelssignale. "Außerdem handelt er hundertprozentig rational, anders als bei Menschen sind Emotionen ausgeschaltet."

Algo-Trading ist in den Handelsabteilungen der Banken entstanden, wird heute aber auch intensiv von Hedge-Fonds und Fondsgesellschaften genutzt. Die wichtigsten Akteure unter den Algo-Tradern sind international tätige Großbanken wie Goldman Sachs, Merrill Lynch, UBS oder auch die Deutsche Bank, bei denen Algo-Trading inzwischen zum Standard gehört. Außerdem sogenannte Agency-Only-Broker, wie Instinet oder Neonet, und Eigenhändler, die Prop Trading Boutiques.

Nach Krogmanns Schätzungen nutzt die Hälfte der 250 Handelsteilnehmer an der Deutschen Börse computergetriebene Handelsmodelle. Rund 40 Handelshäuser setzten den algorithmischen Handel ein, um unter anderem Arbitragegewinne zu erzielen.

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