Allianz-Chefvolkswirt im Interview
„Ein Schuldenschnitt ist jetzt zu riskant“

Ratingagenturen werfen mit Herabstufungen um sich - doch Dax und Euro legen zu. Paradox? Nicht unbedingt, meint Michael Heise. Ratingurteile werden nicht mehr auf die Goldwaage gelegt, so der Chefvolkswirt der Allianz.
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Handelsblatt: Ratingagenturen stufen Staaten und Banken herab, die Schuldenkrise in der Eurozone schwelt weiter. Doch Dax und Euro notieren am Freitag im Plus. Wieso geht es trotz der schlechten Nachrichten an den Märkte nach oben?

Michael Heise: Die Märkte sehen zweierlei: Die Konjunkturdaten haben sich nicht so negativ entwickelt, wie befürchtet. Ein Einbruch kündigt sich weder in den USA noch in der Eurozone an. Zudem erwarten die Märkte derzeit offenbar keine weitere Eskalation der Schuldenkrise.

Beeindruckt die Schuldenkrise Anleger nicht mehr?

Doch, aber gewisse Vorschusslorbeeren für die politischen Entscheidungen in der EU und die Hoffnung auf wirksame Maßnahmen spielen jetzt eine Rolle.

Also eine Mischung aus Hoffnung und Spekulation?

Die jüngsten Konjunkturdaten waren besser als erwartet. Das gibt den Märkten ein Fundament. Aber auch die Hoffnung auf Entspannung der Schuldenkrise schwingt mit. Die Politik muss nun liefern.

Was erwarten Sie denn von der Politik?

Ich rechne mit einem ganzen Paket an Maßnahmen, wenn sich am 23. Oktober die Staats- und Regierungschefs treffen. Auch die Märkte gehen davon aus, dass sie den Ernst der Lage erkannt haben.

Das heißt Schuldenschnitt für Griechenland?

Eher nicht. Mein Ratschlag ist, in dieser fragilen Lage keinen schnellen Schuldenschnitt zu machen. Der würde die Probleme nicht lösen. Im Gegenteil, es bestünde Ansteckungsgefahr. Erstmal sollten wir das bisherige Konzept auch wirklich umsetzen…

… und dazu gehört?

Vor allem die Reformen in Griechenland wirklich durchzusetzen. Darüberhinaus müssen die Staats- und Regierungschefs die finanzpolitische Integration vorantreiben und weitere Schritte in Richtung einer politischen Union gehen. Eine gemeinschaftliche Haftungsübernahme setzt voraus, dass die Gläubiger auch Einfluss nehmen können.  

Welche Rolle spielt der Euro-Rettungsschirm EFSF?

Die neuen Instrumente müssen jetzt in Kraft treten. Sie können die Angst am Markt, dass alles außer Kontrolle gerät, reduzieren. Die EFSF sollte keine Ersatz-Bank werden. Und die Mittel müssen effizient eingesetzt werden – eine Aufstockung ist derzeit nicht möglich.

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Kommentare zu " Allianz-Chefvolkswirt im Interview: „Ein Schuldenschnitt ist jetzt zu riskant“"

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  • Ein Schuldenschnitt ist immer riskant, eine risikofreie Lösung gibt es nicht.Es gilt nur, das kleinere Übel zu wählen.
    Dennoch muß jetzt gehandelt werden. GR ist ohne Neustart nicht zu retten. Das weiß auch jeder. Nur jeder hat Muffel davor, endlich das zu tun, was getan werden muß
    Merkel , diese ewige Taktierin, Zauderin, wird noch sehr in die Enge kommen, wenn sie nicht bald kapiert, dass diese Problem- auch das Deutsche-die undendlichen Rettungen- sich nicht von selber löst.
    Sie haben alle entsetzliche Machenschaften betrieben, die jetzt ihre fatale Wirkung entfalten. Wer das immer noch nicht sieht, dem ist niht zu helfen.
    Ansonsten wird es bald heissen--Euro ade!
    Was wäre fataler? Das Ende der ganzen Ära- oder ein Schuldenschnitt mit allen riskanten Konsequenzen und einen wahrscheinlichen erfolgreichen Neustart?
    Niemand wird diese Schulden- wo jeder mit jedem verbandelt ist , jemals bezahlen können. Egal welchen Weg man wählt, Verlierer gibt es in jeden Fall überall, jeder wird betroffen sein. Das hat sich die herrschende Elite selber zuschreiben. Aber auch der Bürger "Normalo", der über Jahre geträumt hat und nichts sehen und hören wollte.
    Jetzt kam der Schreckschuss. Appel und Attacke zugleich.
    Macht endlich Nägel mit Köpfen, statt dieses ewige Dahinsichen zu dulden. Dann weis man wenigstens wieder, wo der Weg langgeht. Orientierung ist das Wichtigste für eine Neuausrichtung. Genau diese fehlt total. Das ist wie ein Verkehrsstau, keiner weis, wie er da raus kommt, wo er abbiegen soll.

  • @Dummschule.Deutschland

    Ehrlich, ich habe keine Ahnung, was Sie mitteilen wollen. Vielleicht hätten Sie Ihre Medikamente doch besser _nicht_ absetzen sollen ...

    @blinse

    Ich glaube nicht, daß "Dummschule.Deutschland" bekifft ist, Kiffer sind ja in der Regel eher umgängliche, weil zurückhaltende Menschen, die keine Fensterreden halten.

    Ich denke, da ist neben einer überwältigenden Einsamkeit vor allem Alkohol im Spiel oder eine von diesen neumodischen Drogen, die dem Konsumenten vorgauckeln, Sie hätten einen Schub von Genialität - Sehr beliebt in Bankerkreisen, wie man so hört und sicher eine der Erklärungen für den ganzen tobenden Wahnsinn.

    Ich befürchte, wenn Banken Haarproben ihrer Broker analysieren würden, wäre das Ergebnis erschreckend und eine Menge Broker würden arbeitslos.

  • @kleingut

    Verantwortungslos trifft es auf den Punkt.

    Im Gegensatz zu den Besserwissern mit allzu einfach gestrickten Antworten stehen die Akteure in der Verantwortung, für das Geld, das man ihnen anvertraut hat oder die Länder, von deren Bevölkerungen sie gewählt wurden. Radikallösungen - egal welcher Art - sind hier nicht nur kontraproduktiv, die Konsequenzen wären verheerend.

    Ich persönlich halte die Ansage von Schäuble etwa eher für Drohgesten und natürlich auch für den Versuch, die zunehmend unruhiger werdenden eigenen Reihen mit einer Prise Populismus zu befrieden.

    Vor allem aber halte ich sie für _falsch_, weil sie die akute Hysterie nicht besänftigt sondern befeuert. Dieser Schuss geht nach hinten los, auch wenn er nur als Drohung zu verstehen ist.

    Im Moment wird einfach zu kurzfristig gedacht und auf den nächsten Wahltag geschielt. Man will die eigene Klientel nicht vergrätzen und nicht das Schicksal Schröders teilen, der als letzter Politiker in diesem Land gegen das eigene Wahlvolk die nötigen Reformen durchgezogen hat.

    Nicht, daß ich die Sozen je wählen würde, aber das muß der Neid ihm lassen: er konnte über den Horizont hinaus denken und wir verdanken unsere aktuelle Stabilität im Wesentlichen seiner Einsicht.

    Wenn ich mir die Merkelsche dagegen angucke, wird mir k*tzübel. So viel Wankelmut, Unverständnis, Planlosigkeit, Zaudern und Zögern habe ich zu meinen Lebzeiten noch nie ertragen müssen.

    Naja, das Herbstgutachten gestern war ja sozusagen der "Blaue Brief" - Versetzung stark gefährdet.

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