Als erstes Land
Italien führt Steuer auf Hochfrequenz-Handel ein

In Italien müssen Händler seit Montag 0,02 Prozent auf Geschäfte zahlen, die in weniger als einer halben Sekunde ausgeführt werden. Kursstürze wie an der New Yorker Börse 2010 sollen so verhindert werden.
  • 2

RomItalien hat als erstes Land überhaupt eine Steuer auf computergesteuerte Hochfrequenz-Geschäfte an den Börsen eingeführt. Seit Montag müssen Händler 0,02 Prozent auf Geschäfte zahlen, die in weniger als einer halben Sekunde ausgeführt werden.

Beim Hochfrequenz-Handel kaufen und verkaufen Computer automatisiert Wertpapiere nach den Vorgaben ihrer Betreiber. In Sekundenbruchteilen können so viele hundert Kauf- und Verkaufsanweisungen gegeben werden. In Deutschland macht dieser Handel Schätzungen zufolge mehr als 40 Prozent des gesamten Handelsvolumens aus. Experten machen den Hochfrequenz-Handel unter anderem für zum Teil massive Kursstürze an Börsen in der Vergangenheit verantwortlich.

An der New Yorker Börse hatte es beispielsweise im Mai 2010 einen historischen Kursrutsch gegeben. Der Dow-Jones-Index war zeitweise um neun Prozent eingebrochen und hatte damit mehr als 1000 Punkte verloren. Binnen Minuten schnellte der Kurs aber wieder nach oben. Der Kurssturz hatte die Börsen weltweit in Mitleidenschaft gezogen. Für die massiven Kursbewegungen wurde damals der Computerhandel verantwortlich gemacht.

Die Regulierung des Hochfrequenz-Handels ist wichtiger Teil der Reform der Finanzmarkt-Regeln der EU. Diese Reform wird derzeit zwischen den EU-Regierungen und dem EU-Parlament verhandelt. Die Umsetzung einer neuen Richtlinie für die Finanzmärkte in den EU-Mitgliedstaaten könnte jedoch noch Jahre dauern.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Als erstes Land: Italien führt Steuer auf Hochfrequenz-Handel ein"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das geht doch gar nicht! Einfach so etwas einführen ohne sich mit den anderen EU-Ländern, der Wall Street und GS abzustimmen? Unerhört!!!

    *Ironie aus*

  • "Diese Reform wird derzeit zwischen den EU-Regierungen und dem EU-Parlament verhandelt. Die Umsetzung einer neuen Richtlinie für die Finanzmärkte in den EU-Mitgliedstaaten könnte jedoch noch Jahre dauern." Und Italien führt es einfach ein. Das wird in Deutschland mit den bankenhörigen Regierungen niemals passieren.
    Mittlerweile werden übrigens die Programme direkt in Hardware eingebaut. Als Software zu langsam. Muß man sich mal vorstellen.
    Und vor allen Dingen. Wem nutzt das? Wofür soll das gut sein? Hat das einen Sinn, außer mit Geld Geld machen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%