Analysten bremsen Euphorie
US-Fusion beflügelt deutsche Bank-Aktien

Die Übernahme der US-Bank Fleet Boston durch die Bank of America hat in Deutschland auch den seit Monaten von Übernahmespekulationen profitierenden Bank-Aktien wieder Auftrieb verliehen.

HB FRANKFURT. Im Deutschen Aktienindex (Dax) ragten am Dienstag abermals die Anteilsscheine der HVB (Hypo-Vereinsbank) und der Commerzbank heraus, die Aktienhändler seit geraumer Zeit als mögliche Übernahmekandidaten handeln. Da die Aktionäre von übernommenen Firmen in der Regel einen Aufschlag zum Börsenpreis erhalten, treiben Konsolidierungsgerüchte die Kurse der beiden Institute stets überproportional in die Höhe. Während der Dax am Dienstag um rund ein Prozent kletterte, legten die Titel der HVB und der Commerzbank jeweils mehr als zwei Prozent zu. Seit März haben sich die Papiere sogar in etwa verdreifacht.

Analysten warnten jedoch davor, die Fusion in den USA überzubewerten. Jenseits des Atlantiks werde die Konsolidierung zwar weitergehen, Interesse für die vergleichsweise ertragsschwachen deutschen Institute gebe es jedoch kaum. Die Bank of America hatte am Montag die Übernahme des Konkurrenten FleetBoston angekündigt, um im Nordosten der USA ihr Filialnetz zu stärken. Durch den Deal wird die Bank of America nach Vermögenswerten die zweitgrößte Bank der USA nach der Citigroup und vor der Investmentbank J.P. Morgan.

Direkte Auswirkungen für den deutschen Markt sehen die meisten Experten nicht. „Das Interesse von US-Seite dürfte gering sein“, sagte Analyst Sebastian Reuter von der Helaba. „Die Rentabilität der deutschen Institute ist für die US-Banken einfach zu niedrig“, erläuterte er. Während HVB und Commerzbank damit kämpfen, im Gesamtjahr 2003 überhaupt wieder schwarze Zahlen zu schreiben, fahren die großen US-Banken derzeit in nahezu jedem Geschäftsquartal Gewinne in Milliarden-Höhe ein.

Auch Stephen Green, Chef der global agierenden Großbank HSBC, bestätigt diese Einschätzung. HSBC sei wegen der schwachen Ertragskraft deutscher Banken nicht an Zukäufen in Deutschland interessiert. Allerdings will die Schweizer Credit Suisse Group ihr Engagement in Deutschland verstärken. Kleinere Zukäufe erwägen zudem die französische BNP Paribas sowie die Royal Bank of Scotland.

Die deutschen Institute müssen nach Einschätzung von Activest-Fondsmanager Andreas Thomae zunächst weiter ihre Hausaufgaben machen, also Kosten senken und neue Ertragsquellen finden. Danach werde es voraussichtlich erst zu innerdeutschen Zusammenschlüssen kommen, bevor mit grenzüberschreitenden Großfusionen zu rechnen sei. „Außer der Citibank, die in Deutschland bereits Fuß gefasst hat, sehe ich kein US-Institut, das auf den deutschen Markt drängt. Grenzüberschreitende Fusionen sind zudem wegen unterschiedlicher Rechtssysteme und Mentalitäten sehr schwierig“, erklärte Thomae.

Die Citibank als Tochter der Citigroup, dem weltgrößten Finanzdienstleister, glänzt in Deutschland vor allem im Privatkundengeschäft mit Konsumentenkrediten und hat bereits mehr als drei Mill. Kunden.

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