Analysten
Gegen den Trend

Besonders kleine Institute bauen in der Krise ihre Analystenteams aus, obwohl diese normalerweise in erster Linie Kosten verursachen. Deshalb lassen sie sich von den zu bewertenden Unternehmen oder von den Investoren in Form von Tradinggebühren bezahlen, die dann exklusiv von den Expertisen profitieren.

FRANKFURT. Dem Schwund in den Analyseabteilungen der Wertpapierhäuser stemmt sich manche Bank mit neuen, innovativen Konzepten entgegen. Während die Zahl der Aktienexperten im vergangenen Jahr in Deutschland um rund zehn Prozent gesunken ist, bauen gerade kleinere Institute ihre Expertenteams aus. "Ich habe den Tisch voller Bewerbungsunterlagen", sagt Marc Osigus, Leiter der Aktienanalyse beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser.

Insbesondere kleinere Häuser haben sich vom bisherigen Denken über ihre Analyseabteilung verabschiedet. Analysten galten lange Zeit als Kostenfaktor. Mit ihnen ließ sich zwar nach außen hin zeigen, wie wichtig einer Bank die hausinterne Expertise zum Thema Finanzmärkte war. Geld verdienen konnte sie damit aber in der Regel nicht - ganz im Gegenteil. Häufig mussten sich die Abteilungen für ihr Tun rechtfertigen, wenn der Arbeitgeber die nächste Sparrunde einläutete.

Um das zu vermeiden, gibt es zwei Möglichkeiten: Die erste ist es, sich von den Unternehmen, die von den Analyseabteilungen bewerten werden, bezahlen zu lassen. Dieses Vorgehen ist vor allem bei Nebenwerten verbreitet. Vor allem institutionelle Investoren schauen in den einschlägigen Informationsdiensten wie Bloomberg oder Reuters darauf, ob es eine Analyse zu einer gesuchten Aktie gibt. "Wer hier nichts vorzuweisen hat, der fällt ziemlich schnell durchs Raster", sagt Roger Peeters, Vorstand bei Close Brothers Seydler Research. Die erst im Jahr 2007 gegründete Tochter der britischen Handelsbank Close Brothers geht diesen Weg und beobachtet inzwischen über 60 deutsche Nebenwerte. Auf mehr bringt es in diesem Bereich nur noch die zur Hamburger Privatbank M.M. Warburg gehörende SES Research, die über 100 Unternehmen analysiert.

Die zweite Möglichkeit, nämlich seine Empfehlungen von Investoren bezahlen zu lassen, verfolgt man bei Hauck & Aufhäuser. "Wir stellen institutionellen Investoren unser hochwertiges Research zur Verfügung und werden von ihnen bezahlt in Form von Tradinggebühren", sagt Marc Osigus. Er selbst hält diese Variante für die interessantere. Voraussetzung ist allerdings, dass man ausreichend Zugang zu Großinvestoren hat, was bei der Traditionsbank gegeben ist.

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