Analysten raten zur Vorsicht
Hohe Kurssprünge bei Ex-Neue-Markt-Aktien

Mit hohen Kurssprüngen haben einige der arg gebeutelten Unternehmen des früheren Neuen Marktes in den vergangenen Wochen Aufmerksamkeit erregt. Trotz einiger positiver Überraschungen sei der Großteil der Aktien aber immer noch ein riskantes Investment, heißt es bei Marktexperten.

Reuters FRANKFURT. „Viele Ex-Neue-Markt-Titel, vor allem Internet- oder Medienwerte, kann man nicht guten Gewissens empfehlen. Das ist reine Zockerei“, sagt Peter-Thilo Hasler, Leiter des Small-Cap-Analysten-Teams der HVB (Hypo-Vereinsbank). Man müsse sich die Unternehmen schon sehr genau anschauen, um spekulative Kurssprünge von einem fundierten Kurspotenzial unterscheiden zu können. Das Interesse der Anleger an den Nebenwerten steige aber, ergänzt Henner Rüschmeier, Geschäftsführer der ehemals vor allem auf den Neuen Markt spezialisierten Analysefirma SES Research. „Wir registrieren wieder vermehrt Nachfrage nach Analysen für kleine Werte, weil Anleger nach Turnaround-Stories wie bei United Internet suchen.“



Kurssprünge wecken Interesse

Mit Kurssprüngen von zehn, 20 sogar 40 Prozent an einem Tag riefen die Aktien von Unternehmen wie Mobilcom, Freenet oder United Internet jüngst Erinnerungen an die Zeit am Neuen Markt wach, als solche Zuwächse noch an der Tagesordnung waren. Auslöser dafür waren oft tatsächlich fundamental gute Daten oder positive Entwicklungen der Firma. Die ganz großen Kursausschläge sind aber nach Ansicht von Marktbeobachtern spekulativer Natur.

Im März 2003 war der Neue Markt nach massiven Kurseinbrüchen, Betrugsskandalen und Firmenpleiten aufgelöst. Einige der überlebenden Firmen blieben so genannte Pennystocks - ihre Aktien notieren immer noch unter einem Euro. Andere können fulminante Kursgewinne vorweisen. So legte seit Beginn des Jahres die Freenet-Aktie mehr als 700 Prozent zu, QSC fast 500 Prozent, Teles und MWG Biotech mehr als 300 Prozent.

Bei einigen Marktteilnehmern hat die Entwicklung schon ein größeres Interesse für die Nebenwerte geweckt: „Ich schaue mir die kleinen Medienwerte derzeit genauer an. Einige sind sehr interessant. Auch institutionelle Anleger suchen oft etwas zum Beimischen“, sagt etwa Michael Fuchs, auf Medien- und Telekomwerte spezialisierter Fondsmanager bei AM Generali. Einige der Firmen hätten ihre Hausaufgaben gemacht. „Odeon oder MME sind höchst interessant, sie haben ihre Kosten unter Kontrolle und einen positiven Cashflow. Andere, wie EM.TV, TV Loonland oder Internationalmedia sind noch eine Wette, da lass ich auch als Institutioneller noch die Finger weg“, urteilt er.

Doch Analysten raten zur Vorsicht, bei Werten zum Beispiel dann einzusteigen, wenn die Marktkapitalisierung niedriger liegt als der Kassenbestand oder der Buchwert - ein Kriterium, auf das viele Spekulanten schauen. „Das allein kann noch keine Empfehlung sein. Gerade bei den Internet-Firmen gibt es oft kein funktionierendes Geschäftsmodell mehr oder der Markt in dem sie tätig sind ist praktisch zusammengebrochen. Die Unternehmen muss man sich ganz genau anschauen, bevor man einsteigt“, sagt SES-Geschäftsführer Rüschmeier. „Viele ehemalige Stars am Neuen Markt sind heute nur noch eine Spekulation wert und kaum mehr als seriöse Anlage zu empfehlen.“ Nach dem Ende des Neues Marktes konzentriert sich SES vor allem auf Werte aus dem TecDax, hat sein Portfolio aber auch auf Dax-Werte ausgeweitet.

Auch das Small-Cap Team der Hypo-Vereinsbank (HVB) betreut nur noch wenige Firmen aus dem früheren Wachstumssegment - und noch weniger bewerten die Analysten positiv. Auf der Empfehlungsliste finden sich vor allem etablierte Werte wie GfK, Rational, Zapf Creation oder Data Modul. Ausnahmen sind Computerlinks (“Buy“) und Tomorrow Focus (“Outperform“). „Man muss genau schauen, was die Unternehmen mit ihren Mitteln aus dem Börsengang gemacht haben. Es gibt einige wie zum Beispiel Ad Pepper oder Mensch und Maschine, die vorsichtig gehaushaltet oder das Geld in organisches Wachstum investiert haben. Andere haben die Mittel für teure Akquisitionen verschleudert“, erläutert Hasler.

Die HVB will die Coverage von Small-Caps jedenfalls ausbauen - von 18 derzeit betreuten Werten auf bis zu 30 bis Jahresende.

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