Analysten sehen noch Chancen für Kurssteigerungen
Australische Versicherer sind bei Anlegern beliebt

Versicherungstitel sind auf dem Weg, die Favoriten der australischen Börse zu werden. Das Ausbleiben von Überschwemmungen, Erdbeben und anderen Katastrophen, die zu hohen Schadensauszahlungen führen, haben der Industrie in den letzten 18 Monaten zu einem Aufschwung verholfen.

SYDNEY. Die dominierenden Unternehmen der Branche, Insurance Australia Group (IAG), QBE Insurance, Promina und Suncorp, konnten über den Erwartungen liegende Jahresresultate melden. Entsprechend ist das Interesse an den Titeln gestiegen. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist Promina. Beim Börsengang des Versicherers zu Jahresbeginn bewerteten Analysten die Aktie mit 2 australischen Dollar (A$). Jetzt rechnen die meisten Beobachter mit einem Minimum von 3 A$. Vor kurzem hatte die Gruppe ein alle Prognosen übertreffendes Halbjahresergebnis gemeldet. Darauf kletterte die Aktie auf 2,95 A$. Deutlich zugelegt haben auch IAG. Wer der Versuchung widerstehen konnte, die Aktien der im Jahr 2000 demutualisierten ehemaligen Genossenschaft abzustoßen, kann sich heute über einen Papiergewinn von 65 % freuen.

Die Industrie selbst kann nicht ganz verstehen, weshalb sich der Markt derart in die Titel verbissen hat. Neil Drabsch, der Chief Financial Officer von QBE Insurance, meinte, die Leute hätten „ein kurzes Gedächtnis“. Es sei erst zwei Jahre her, seit die Welt mit den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten „die größte einzelne Versicherungskatastrophe gesehen hat“. Höhere Prämieneinnahmen können es auch nicht sein: Die Branche hat Prämien zwar in den letzten Jahren angepasst, aber nicht in hohem Ausmaß.

Es ist das Wetter, das den Sachversicherern zur Seite steht. Während die Landwirtschaft unter einer nun schon seit über zwei Jahren anhaltenden Dürre ächzt, freuen sich die Versicherungsunternehmen über einen deutlichen Rückgang an regenbedingten Verkehrsunfällen und Überschwemmungsschäden. Das Wetter ist sonst oft für die großen Schadensereignisse verantwortlich. 1999 zerstörte ein Hagelsturm in Sydney die Karosserien zehntausender Autos und zerschmetterte die Dächer unzähliger Häuser. Die Versicherungsindustrie sah sich mit einer Schadenssumme von 1,7 Mrd. A$ konfrontiert, der höchsten in der Geschichte des Landes.

Die Aussicht auf eine Wiederholung derartiger Katastrophen scheint die Analysten in diesen Monaten nicht zu beunruhigen. Im Gegenteil: Die meisten glauben, dass die Versicherungstitel noch weiteres Wachstumspotenzial haben. Laut BT Financial Group liegt das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis der Versicherer bei 12 bis 13, das des Gesamtmarktes bei 14.

Schon in ein paar Wochen aber könnte sich der Wind drehen. Aufgrund der Waldbrände im australischen Sommer könnte im kommenden Jahr auf die Sachversicherer einiges zukommen. Offenbar hat der Markt die Ereignisse vom vergangenen Januar vergessen: Damals führten bis nach Canberra vordringende Waldbrände zu Schadensauszahlungen von 350 Mill. A$. Eine Wiederholung einer solchen Katastrophe ist angesichts der zunehmenden Zersiedelung australischer Städte wahrscheinlich. Entsprechend negativ könnten die Konsequenzen für die Preise der Versicherungstitel sein. Ein Engagement in dem Sektor sollte demnach mit einer Portion Vorsicht unternommen werden.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent
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