Analysten sind vorsichtig optimistisch
Zinsen und Ifo-Hoch bremsen Aktienkurse aus

Wie viele Zinserhöhungen verträgt der Markt? Eine ganze Menge. Sonst hätten die Kurse nicht so zulegen können wie in den vergangenen Jahren. Doch Statistiken belegen, dass viele Zinsanhebungen die Börsen in die Knie zwingen. Das Rekordhoch beim Ifo-Index schmälert die Sorgen nicht.

DÜSSELDORF. Hoffnungsträger sind indes die Rekordgewinne der Unternehmen. Zwar begleitet ein rasant steigender Ifo-Index den Deutschen Aktienindex (Dax) stets nach oben, wie Untersuchungen zeigen. So notierte der Dax bei ähnlich hohen Ifo-Ständen Mitte 1994 gegenüber dem Jahr zuvor 19 Prozent im Plus, und Anfang 2000 waren es sogar 39 Prozent. Aktuell beträgt das Zwölfmonatsplus fast 25 Prozent. Doch ganz anders sieht es nach Berechnungen der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) in der Zeit nach Erreichen des Gipfelpunkts des Ifo-Indexes – vor allem bei der Erwartungskomponente – aus. In allen Fällen trat der Dax zwölf Monate lang mehr oder weniger auf der Stelle. Die Rally mündete in eine Seitwärtsbewegung. „Die positiven Impulse vom Ifo-Index für die Börse werden in den kommenden Quartalen abnehmen“, ist sich LRP-Stratege Andreas Hürkamp deshalb sicher.

Die Erklärung: Ifo misst zwar die Erwartungen und ist damit auf die Zukunft gerichtet. Doch die Börse versucht, weiter nach vorn zu blicken. Und da kann es mit dem Ifo-Index bei einem 15-Jahreshoch fast nur abwärts gehen. „Für den Aktienmarkt ist es vielversprechender, wenn der Ifo-Index auf einem Mehrjahrestief angelangt ist. Dann stimmen die Perspektiven, weil es anschließend aufwärts geht“, sagt Hürkamp.

Bereits am gestrigen Dienstag rutschten die Börsen nach den Ifo-Daten ab. Die Aktienmärkte leiden darüber hinaus seit Wochen unter der Perspektive, dass die US-Notenbank weiter die Zinsen erhöht. Zu Recht, wie auch hier Untersuchungen belegen. Zwar laufen die Kurse nach einem ersten Zinsschritt noch ganz gut. Das zeigen Berechnungen des US-Analysehauses Ned Davis Research für 20 Zinszyklen im vergangenen Jahrhundert. Danach notierte der Dow Jones ein halbes Jahr nach dem ersten Zinsschritt noch drei Prozent höher. Doch schon sechs Monate später kommen die Probleme. „Je weiter der Zinszyklus fortschreitet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Kursverlusten“, ermittelte Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud nach Auswertung der Zinszyklen seit den 70er-Jahren. Ursache ist, dass Firmen und Verbraucher mehr Geld für Kredite aufwenden müssen. Das schmälert Investitionen und Konsum. Gleichzeitig werden Anleihen attraktiver, weil die Renditen zulegen.

Auffällig ist diesmal, dass die Börsen trotz vieler Zinsschritte lange so gut liefen. Grund hierfür ist die niedrige Ausgangsbasis für Zinsen und Kurse. Die Notenbank startete ihre Schritte bei einem historisch niedrigen Satz von einem Prozent. Zudem blieben die langfristigen Zinsen stabil. Firmen und Verbraucher müssen also gar nicht mehr Geld als vorher aufbringen. Schließlich waren die Börsen vor Beginn des aktuellen Zinszyklus stark gefallen. Der Dax hatte drei Viertel seines Wertes eingebüßt. Als dann die Kurse zulegten, stiegen die Firmengewinne ebenso rasant. Aktien blieben also preiswert.

Darin liegt auch für die meisten Analysten der Schlüssel für ihre vorsichtige Zuversicht – trotz steigender Zinsen und Rekordhoch beim Ifo-Index. „Die Dax-Unternehmen ernten weiter die Früchte ihrer Restrukturierungen und halten trotz der Rekordgewinne ihre Kosten unter Kontrolle“, sagt LRP-Experte Hürkamp. Sein Haus erhöhte trotz der jüngsten Börsenschwäche das Jahresendziel für den Dax um 300 auf 6 300 Punkte.

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