Analysten skeptisch
Keine Entwarnung am Aktienmarkt

Erleichterung, aber keine Euphorie an den globalen Finanzmärkten: Zwar atmeten viele Anleger am Montag nach der überraschenden Zinssenkung in den USA noch einmal durch, doch die Angst sitzt den meisten noch im Nacken.

HB FRANKFURT. Die Kursgewinne an den Aktienbörsen in London, Paris, Frankfurt und Zürich fielen deshalb - gemessen an den Verlusten der vergangenen Wochen - mit 0,5 bis ein Prozent deshalb gering aus. In Tokio holte der Standardwerteindex Nikkei mit einem Plus von drei Prozent nicht einmal das fünfprozentige Minus vom Freitag auf, auch wenn dies der größte Tagesgewinn seit 13 Monaten war.

Politiker übten sich in Zuversicht. „Ich denke, der schlimmste Teil der Krise liegt hinter uns“, erklärte Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. „Wir verfolgen die Märkte genau, und wir stellen fest, dass heute Morgen alles ruhiger zu sein scheint“, ließ die EU-Kommission in Brüssel verlauten. Auch für die Bundesbank ändert sich nichts an den guten Aussichten für die Weltwirtschaft, in ihrem Monatsbericht räumt sie allerdings ein, die Risiken für die Weltkonjunktur hätten zugenommen.

Dennoch gaben Börsianer keine Entwarnung. Die Märkte seien erleichtert über die Aktionen der Fed, sagte Währungsstrategin Frida Gjorstrup vom US-Investmenthaus JP Morgan. „Aber aus unserer Sicht sind wir noch nicht aus dem Gröbsten heraus.“

Wie Lagarde schloss auch der Chef der niederländischen Bank ING, Michel Tilmant, nicht aus, dass weitere Banken oder Fonds in Schwierigkeiten sind. In Frankfurt trübten die Probleme der Sachsen LB die Stimmung. Landesbanken und Sparkassen stellten dem Institut 17,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Ohne ihr beherztes Eingreifen wäre es nach Angaben von Sparkassen- Präsident Heinrich Haasis zu Zahlungsengpässen gekommen. Da Börsianer die Sachsen LB schon im Verdacht hatten, blieb eine Reaktion an der Börse aber aus.

Nur die Aktie von Branchenprimus Deutsche Bank verlor etwa ein Prozent. Kreisen zufolge hat die Bank im letzten Monat im Eigenhandel 100 Millionen Euro Verlust gemacht.

An den Devisenmärkten trauten sich einige Anleger wieder in den Dollar und verkauften Yen, so dass der Dollar auf 115 Yen von 114,35 Yen am Freitagabend kletterte. Am Freitag war die US-Währung unter 112 Yen abgestürzt, nachdem Anleger in großem Stil ihre Spekulationsgeschäft gegen die japanische Währung auflösten. Der Euro pendelte um 1,35 Dollar.

Die US-Hypothekenkrise habe Schwachpunkte der US-Wirtschaft offen gelegt, die zu einer Abschwächung der Konjunktur führen können, warnte Devisenstratege Karl Broecker von der LBBW. „Die Entscheidung der Fed war für alle ein psychologischer Schub“, erklärte Ökonom Song Seng Wun von der Bank CIMB in Singapur. „Aber das ist eine kurzfristige Sache.“ Die langfristigen Probleme, die vom US-Hypothekenmarkt herrühren, würden dadurch nicht gelöst.

Die Notenbanken standen auch am Montag Gewehr bei Fuß. So gönnte die australische Zentralbank der Finanzwirtschaft des Landes eine weitere Liquiditätsspritze. In der Euro-Zone wird die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag darüber zu entscheiden haben, ob sie beim regulären wöchentlichen Refinanzierungsgeschäft den Banken erneut zusätzliche Gelder bereitstellt oder nicht. Viele Experten erwarten, dass die Fed am 18. September auch den zentralen Leitzins von 5,25 Prozent senken wird. Die bisher für sicher gehaltene Zinserhöhung der EZB im September ist nach Einschätzung vieler Börsianer nach den Turbulenzen der letzten Tage in Frage gestellt.

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