Anlagebetrug
Die spektakulärsten Fälle von Abzocke

Milliardenverluste durch Phantombohrer oder die Verschleierung von langen Laufzeiten - die Betrugsliste ist ebenso lang wie der Schaden bei den Anlegern hoch. Welche Firmen Tausende von Aktionären und Kunden schädigten.
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Düsseldorf/München/FrankfurtMehr als eine Milliarde Euro Schaden, 123 Ermittlungsverfahren - die Pleite der Firma Flowtex 1999 war der bis dato größte Fall von Wirtschaftskriminalität in Deutschland.
Eigentlich klang die Idee gut: Mit seinen speziellen Bohrmaschinen wollte Flowtex Leitungen verlegen, ohne Straßen aufzureißen und den Verkehr zu blockieren. Das Ettlinger Unternehmen besorgte sich bei Banken und Leasinggesellschaften Geld für spezielle Horizontalbohrmaschinen, die mehr als eine Million Mark pro Stück kosteten. Über 3 000 Maschinen gab es auf dem Papier, doch nicht einmal zehn Prozent existierten wirklich. Um dies zu kaschieren und den Eindruck eines florierenden Geschäfts aufrechtzuerhalten, fälschten die Manager Bilanzen und Seriennummern an den wenigen vorhanden Bohrgeräten.

Der Trick: Flowtex verkaufte die nur auf dem Papier vorhandenen Maschinen an Leasinggesellschaften; diese holten sich Kredite bei den Banken. Flowtex leaste die Maschinen wieder zurück und vermietete sie an eigene Servicegesellschaften weiter. Es entstand ein gewaltiger Kreislauf. Rund zwei Milliarden Euro kassierte Flowtex. Mehr als die Hälfte floss in Leasingraten, der Rest versickerte. Um das System zu erhalten, verkauften die kriminellen Unternehmer, an deren Spitze die Gründer Klaus Kleiser und Manfred Schmider standen, immer mehr Phantombohrmaschinen. Im Jahr 2000 flog alles auf, weil spanische Ermittler einen insolventen Geschäftspartner von Flowtex kontrollierten und die Scheinrechnungen entdeckten. Am Ende waren über hundert Geschäftskunden und Banken auf den Trick hereingefallen.
Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelte auch gegen Politiker in Baden-Württemberg. Kleiser und Schmider gestanden. Alleine Schmider soll sich um 150 Millionen Euro bereichert haben. Er wurde zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt und kam im Oktober 2007 nach sieben Jahren wieder auf freien Fuß. Kleiser bekam neuneinhalb Jahre Haft.

Im Zuge der Affäre räumte auch der baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring sein Amt - er hatte vor dem Flowtex-Untersuchungsausschuss falsch ausgesagt. Das Land Baden-Württemberg wurde verklagt. Die Klage wurde aber abgewiesen, da nicht erwiesen war, dass Finanzbeamte den Betrug durchschaut hätten. Dabei war ein Steuerfahnder wegen Vorteilsnahme verurteilt worden. Ihm hatte Flowtex-Gründer Schmider 10 000 Euro zukommen lassen.

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