Anlageprodukte auf Dividendenindizes sorgen für Kursausschläge
Indexanpassung verzerrt Kurse

Die jährliche Anpassung in zwei europäischen Dividendenindizes hat zu heftigen Verzerrungen bei einzelnen Aktien geführt. Vier von fünf Titel, die am Freitag in den Euro Stoxx Select Dividend 30 aufgenommen wurden, gingen mit hohen Gewinnen aus dem Handel.

HB DÜSSELDORF. Auf der anderen Seite gaben die Kurse gerade kleinerer Index-Absteiger stark nach. Deutliche Ausschläge gab es auch in der Stoxx-Variante des Select Dividend Index. Hier fielen die Bewegungen aber nicht ganz so drastisch aus, da viele höher kapitalisierte Werte in den Index aufstiegen.

Mit dividendenstarken Werten den breiten Markt zu schlagen, ist bei Profi-Investoren eine beliebte Strategie. Über innovative Anlageprodukte wie Indexfonds oder Zertifikate auf Dividendenindizes können auch Privatanleger auf die Dividendenstars setzen.

Vor allem Papiere auf die Stoxx Select Indizes erlebten einen wahren Boom. Nach Meinung von Experten sind die drastischen Mittelzuflüsse in diese Produkte für die Turbulenzen Ende vergangener Woche verantwortlich. Schließlich fließt auch viel Geld in die Einzelwerte. Und an Umschichtungstagen – die Stoxx-Indizes werden jeweils am dritten Freitag im März angepasst – werden hohe Summen bewegt. „Es ist offensichtlich, dass in manchen Titeln eine sehr starke Nachfrage produziert wurde und in anderen ein deutlicher Verkaufsdruck entstand“, sagt Götz Kirchhoff, Sprecher des Vorstands von Indexchange.

„Eine Indexüberprüfung kann durchaus Ursache von Kursschwankungen sein“, gibt auch Stoxx-Geschäftsführer Lars Hamich zu. Er verweist allerdings darauf, dass die Auswahllisten für die Index-Zusammensetzung schon weit vor dem Anpassungstermin bekannt gewesen seien.

Jedoch folgen gerade Indexfonds dem Regelwerk eines Indexes sehr genau und setzen die Anpassungen alle zum gleichen Zeitpunkt um, den das Indexregelwerk vorgibt. „Dadurch tritt die Nachfrage geballt auf und kann im Extremfall zu starken Ausschlägen führen“, sagt Kirchhoff.

Am heftigsten waren die Bewegungen am vergangenen Freitag bei Aktien mit geringer Marktkapitalisierung. Die Aktie des österreichischen Spezialstahlanbieters Böhler-Uddeholm etwa, die in beide Select-Indizes aufgenommen wurde, kommt nur auf einen Börsenwert von 3,43 Mrd. Euro. Entsprechend stark fiel das Plus von 30 Prozent aus.

Der französische Konsumgüterhersteller Casino Guichard-Perrachon mit einer Marktkapitalisierung von 7,4 Mrd. Euro gewann 21 Prozent hinzu. Ähnlich ist das Bild bei den Aufsteigern Belgacom und Wereldhave, während die Aktie des Immobilienunternehmens Klepierre nach der Herausnahme aus dem Index mehr als acht Prozent verlor.

„Die Select-Indizes sind stark in den Fokus geraten“, sagt Uwe Becker, Leiter des Zertifikategeschäfts bei Barclays Capital, dessen Haus selbst zahlreiche Produkte auf diese Indizes anbietet. Vor allem im Bereich der so genannten Alpha-Zertifikate, mit denen Anleger auf eine bessere Entwicklung eines der Select-Dividend-Indizes im Vergleich zu einem Standardindex wie dem Euro-Stoxx-50 wetten können, hat der Konkurrenzdruck am Derivatemarkt ein wahren Wettrüsten der Emittenten ausgelöst. Daten darüber, wie viel Geld in Zertifikate auf die Dividendenindizes geflossen ist, gibt es zwar nicht. Branchenexperten rechnen aber mit mindestens ein bis zwei Mrd. Euro verwaltetem Vermögen.

Auf hohe Volumina kommen auch die beiden börsennotierten Indexfonds (ETF) auf den Euro-Select-Dividend-Index: Der ETF von Indexchange hat zurzeit ein Volumen von 1,3 Mrd. Euro, das Konkurrenzprodukt von I-Shares bringt gut 670 Mill. Euro auf die Waage.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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