Anlagerückblick
Eine fragwürdige Karriere als Aktionär

Nach zwei Talfahrten in nur zehn Jahren verabschieden sich Kleinanleger und Profis von den Aktienmärkten. Vor allem die großen Schwankungen schrecken ab. Doch die Börsenhistorie macht Hoffnung: Einer langen Durststrecke folgen wieder fettere Jahre. Rückblick auf zehn Jahre Achterbahnfahrt der Kurse.
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DÜSSELDORF. Von wegen Langfristanlage! Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren habe ich für 4 000 Euro den Dax gekauft. Genauer gesagt: ein paar Anteile an Deutschlands 30 größten börsennotierten Unternehmen. Damals hatte der Dax in nur kurzer Zeit mehr als 20 Prozent seit seinem Allzeithoch im Frühjahr verloren. Ich konnte mir also zumindest sicher sein, nicht ausgerechnet zu Höchstkursen eingestiegen zu sein.

Skeptische Kommentare meiner Kollegen ("Greife nie in ein fallendes Messer!") konterte ich gleich mit drei Totschlagargumenten: Verluste aussitzen, die tiefsten Kurse erwischt man ohnehin nicht, und langfristig steigen die Kurse immer.

Von wegen! Zehn Jahre später liegt meine Langfrist-Deutschland-Anlage sechs Prozent in den Miesen. Und so geht es vielen anderen Anlegern auch. Reich werden konnte in diesem Jahrzehnt nur, wer auf kurzfristige Trends gesetzt hat. Die atemberaubende Börsenrally der letzten Wochen tröstet mich nicht wirklich - auch wenn sie wahrscheinlich sogar der Beginn eines längeren Kursanstiegs ist. Vielmehr frage ich: Warum blicke ich auf ein verlorenes Jahrzehnt zurück?

Zugegeben, der Einstieg im Oktober 2000 kam zu früh. Vor zehn Jahren begann eine große Blase zu platzen, und Aktien waren auch nach dem ersten heftigen Kursbeben zwischen Frühjahr und Herbst 2000 immer noch überteuert. Auf der anderen Seite aber übertrafen die Unternehmen, an denen ich seit zehn Jahren Anteile halte, selbst meine optimistischsten Erwartungen. Die Konzerne entwickelten sich prächtig. Sie verdienen heute im Schnitt mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Sie erwirtschaften höhere Renditen, generieren mehr Cash, sind viel niedriger verschuldet als damals und bilanzieren weit mehr Eigenkapital als im Jahr 2000. Kurzum, die Unternehmen blicken auf eines der erfolgreichsten Jahrzehnte zurück.

Gemessen an all diesen wichtigen Bilanzkennzahlen sind Deutschlands Unternehmen an der Börse nicht mehr überbewertet wie noch vor zehn Jahren, sondern krass unterbewertet. Was ist bloß schiefgelaufen?

Firmengewinne mögen zwar langfristig ein guter und vielleicht der beste Treiber für Aktienkurse sein. Diese steigen aber nur, wenn es mehr Käufer als Verkäufer gibt. Und daran hapert es leider. Besaßen vor zehn Jahren noch 13 Millionen Deutsche Aktien oder Aktienfonds, sind es heute nur noch achteinhalb Millionen, Tendenz fallend.

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Kommentare zu " Anlagerückblick: Eine fragwürdige Karriere als Aktionär"

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  • An Jonas,
    wer die nächsten 15 Jahre mehr als die Hälfte seines Vermögens verlieren will, soll Staatsanleihen und andere festverzinsliche Wertpapiere kaufen. Deren Verzinsung wird unterhalb der inflationsrate liegen und muss dann zusätzlich noch versteuert werden. Ein weiterer guter Tip zum Geldverlieren: Lebensversicherungen auf Rentenbasis: Rendite 1%
    Vorteil dieser Anlagen: Dachplatten und Schwachmaten merken nicht wie sie langsam abgezockt werden. Da lob ich mir doch die Aktienanlage: Eine gute Firma wird immer ihr Gewerbe treiben und damit Geld verdienen, auch wenn es dann Neuro, Teuro... heißt. Die Staatsanleihen hängen dann schon längst als Toilettenpapier oder Tapete herum: Verklagen Sie mal einen Staat....
    Gold: "Dem bürger ist der besitz und Handel mit Gold bei Strafe untersagt". Diesen Satz kann man schnell in ein Stabilitätssicherungsgesetz einfügen.
    Also auch keine Lösung?
    Sicher ist, irgendwann werden wir sterben:-)

  • Man sollte halt nicht in Cargolifter etc. pp investieren, sondern nur in grosse Konglomerate, die schon zwei Weltkriege und eine Hyperinflation überstanden haben.
    Denn: wenn Firmen wie Siemens, bMW, Volkswagen, Airbus, Eon, Allianz, Daimler usw. pleitgehen, gehen in Deutschland eh die Lichter aus. Von daher "too big to fail", bitchez! :-)

  • immer wieder derselbe Scheiss von ungebildeten Zockern.

    Mit Aktien kann man mitnichten Geld verdienen, sondern nur verlieren, denn der Aktiekurz fällt beim Konkurs der Firma auf 0.

    Zwischendrin wechselt mal eine für x eingekaufte Aktie für y den besitzer, aber für jeden, der bei so einem Kauf Gewinn macht, macht auch jemand genau so viel Verluste.

    Es KANN keine Aktiengewinne oberhalb der inflationsrate geben, denn Geld wird an der börse nicht erschaffen.

    Es ist eine Umverteilung, umverteilt von dumm zu gerissen, und der Dumme ist immer der private Kunde.
    Und manche Dummen haben es bis heute nicht begriffen.

    beim Pokern liegen die Karten wenigstens auf dem Tisch.

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