Anleger befürchten eine Flut von Verkäufen
Chinesischen Börsen droht ein neuer Kursrutsch

Chinas Regierung hat angesichts wachsender Defizite im staatlichen Pensionsfonds alte Pläne wieder auf den Tisch gelegt. Die Regierung plant den massiven Verkauf von Anteilen, die das Land an Börsengesellschaften hält.

mg SCHANGHAI. Etwa zwei Drittel der Anteile von über 1 200 börsennotierten Firmen in China halten Ministerien oder Staatsfirmen, damit die Kontrolle in den Händen des Staates bleibt. Doch seit die marode Staatswirtschaft verstärkt Arbeiter entlässt – über 40 Mill. seit 1998 – explodiert das Defizit im staatlichen Pensionsfonds. Die im Frühjahr neu gegründete Kommission zur Aufsicht und Verwaltung staatlicher Liegenschaften (SASAC) hat nach übereinstimmenden Berichten chinesischer Zeitungen nun Pläne ausgearbeitet, um Verkäufe der bislang unter Verschluss gehaltenen Anteile an den Börsen in Schanghai und Shenzhen abzuwickeln. Die Vorgehensweise soll im August offiziell bekannt gegeben werden.

Offenbar ist geplant, dass die Kommission 10 % der Aktien jeder Publikumsgesellschaft behält und die restlichen 90 % in drei gleich große Gruppen aufteilt. Private Investoren sollen bis zu 30 % der Aktien an einem Unternehmen erwerben können. Ob es ein Limit für Einzelbesitz gibt, wird nicht berichtet. Weitere 30 % sollen dem Social Security Fund der Regierung zufließen. Die restlichen 30 % soll die SASAC treuhänderisch verwalten. Chinas Regierung hatte im Juni 2001 schon erstmals den Verkauf staatlich gehaltener Anteile bekannt gegeben. Darauf hin stürzten die Aktienkurse an den Börsen von Schanghai und Shenzhen um 30 % ab, weil die Anleger eine Flut von Verkäufen befürchteten und selber auf die Verkäuferseite wechselten.

Die Regierung gab ihre Pläne auf und suspendierte die Verkäufe im Oktober 2001. Damals war vorgesehen, dass 10 % der Verkaufserlöse dem staatlichen Sozialfonds zufließen sollten. In den neuesten Berichten ist davon zunächst keine Rede mehr. Analysten sind aber auch diesmal äußerst skeptisch, was die Umsetzbarkeit dieser Pläne angeht, denn ein Verkauf so großer Anteile würde die Kurse erneut massiv unter Druck setzen. „Das scheint ein sehr radikaler Plan zu sein, da nahezu 90 % der zu veräußernden Aktien auf einmal in den Markt gegeben würden. Das Ergebnis wäre ein Desaster“, sagt Wu Kan, leitender Investitionsberater bei Shanghai Securities Consulting. „Ich denke nicht, dass das Timing gut ist, weil das Vertrauen gerade erst in die Märkte zurück kehrt“, fügt er hinzu.

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