Anleger entdecken zwei Jahre altes Börsensegment
General Standard lockt plötzlich Investoren an

Auf der Suche nach „unentdeckten Perlen“ unter kleinen und mittleren Werten weichen immer mehr Investoren auf den General Standard aus. Das Segment, das die Deutsche Börse vor über zwei Jahren neben dem Prime Standard eingeführt hatte und das anfangs wegen der geringeren Auflagen häufig von Investoren gemieden worden war, hat mittlerweile deutlich an Interesse gewonnen.

scc/HB FRANKFURT/M. „Die Investoren haben registriert, dass dort zwar weniger Transparenz, aber von Unternehmensseite häufig mehr Seriosität vorzufinden ist als im Prime Standard“, sagt der Erlanger Professor Wolfgang Gerke.

Das neu entfachte Interesse hat zwei Gründe: Zum einen entwickeln sich die Aktien kleiner und mittlerer Unternehmen seit drei Jahren besser als die Börsenschwergewichte. Zum anderen mehren sich empirische Untersuchungen, dass sich die Wertentwicklung eines Depots mit der Beimischung kleiner und mittlerer Werte deutlich verbessern lässt. Zuletzt hatte dies der Mannheimer Professor Martin Weber wissenschaftlich nachgewiesen.

Der General Standard scheint dabei für die Suche bestens geeignet. Aktuell werden dort 483 Aktien gehandelt. Im Vergleich zu den rund 350 im Prime Standard notierten Unternehmen müssen sie jedoch weder Quartalsberichte auf Deutsch und Englisch noch einen Unternehmenskalender vorlegen. Trotzdem werden die Präsentationen vieler dieser Unternehmen auf der gerade laufenden 1. General Standard Konferenz von Investoren bestens besucht. Die Sektkellerei Schloss Wachenheim und die C. Bechstein Pianofortefabrik AG zogen beispielsweise über 50 Investoren an.

Für Anleger haben die geringeren Regeln im General Standard Vor- und Nachteile. Einerseits verfügen sie wegen fehlender Quartalsberichterstattung über deutlich weniger Informationen über ein Unternehmen, als wenn dieses im Prime Standard notiert wäre. Das wird mancherorts aber als Vorteil betrachtet. „Im General Standard wird nicht jeder Husten eines Unternehmens gleich auf den Aktienkurs übertragen“, sagt Hans-Dieter Stolper von der BW Bank.

Um gut informiert zu sein, muss der Anleger allerdings deutlich mehr Engagement zeigen als bei Aktien aus dem Prime Standard. Der deutlichste Unterschied ist nach Stolpers Worten, dass der Anleger im General Standard eine Holschuld hat, um Informationen zu bekommen. Im Prime Standard hat dagegen das Unternehmen eine Bringschuld. Viele Informationen finden sich jedoch schon auf den Internet-Seiten des Unternehmens. „An Gestaltung und Informationsgehalt der Web-Seite ist meist kein Unterschied zwischen Prime und General Standard festzustellen“, sagt Martin Steinbach von der Deutschen Börse.

Investoren, die sich für Aktien aus dem General Standard interessieren, kommen vor allem aus dem deutschsprachigen Raum. „Je kleiner und je nationaler aufgestellt ein Unternehmen ist, umso mehr nationale Investoren werden angezogen“, sagt Steinbach. Zwar kommen mittlerweile 53 Prozent des täglichen Handelsvolumens in Deutschland aus dem Ausland, die großen internationalen Fonds kaufen jedoch vor allem Börsenschwergewichte. Eine Ausnahme ist die Biotech-Branche: Hier suchen Spezialfonds aus Großbritannien und der Schweiz auch in Deutschland nach interessanten Nischenwerten.

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